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Folgeerkrankungen
Morbus Crohn

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen, die durch Morbus Crohn mit bedingt sein können

  • Abszessbildung
  • Fisteln – röhrenförmige Verbindungsgänge zwischen Organen, z. B. enterovesikale Fistel = Verbindungsgang vom Darm in die Harnblase oder kutane Fistel – Verbindung vom Darm zur Haut
  • Gallensteine
  • Hyperoxalurie – zu hoher Blutoxalatspiegel mit der möglichen Folge von Harnsteinen
  • Intestinale Blutungen – Blutungen im Darm
  • Kachexie – extreme Abmagerung
  • Kolorektales KarzinomDarmkrebs
  • Kurzdarmsyndrom
  • Mechanischer Ileus – Darmverschluss
  • Osteoporose oder Osteopenie – Knochenschwund oder Minderung der Knochendichte – infolge der Malabsorption und/oder Kortikoid-Therapie
  • Perforation des Darms
  • Toxisches Megakolon (selten) – durch Toxine (Gifte) bedingte Weitstellung des Dickdarms

Weitere Folgen

Enterales Eiweißverlustsyndrom

Die Beeinträchtigung der Darmschleimhaut führt zu einem vermehrten intestinalen Eiweißverlust, da der Austritt von Plasmaproteinen durch die Darmschleimhaut ins Darminnere die Syntheserate der Eiweiße überschreitet. Die Abnahme der zirkulierenden Plasmaeiweiße geht meist mit einer schwer wiegenden Mangelversorgung mit Protein einher [2].
Der krankhafte Eiweißverlust kann durch eine gleichzeitig hohe Fettzufuhr über die Nahrung gefördert werden. Bei der Resorption langkettiger Fettsäuren wird der Lymphdruck gesteigert und es treten hohe Mengen an Lymphflüssigkeit ins Darminnere über. Infolge einer erhöhten Lymphkonzentrationen kommt es zu einem hohen enteralen Eiweißverlust und schließlich zu einer Abnahme der Plasmaproteine [2].
Der erhöhte intestinale Eiweißverlust führt letztlich zur einer Verringerung des onkotischen Drucks und somit – je nach Ausmaß der verminderten Konzentration der Plasmaproteine – Hypoproteinämie – zur Ausbildung von Ödemen [2].

Unzureichende Deckung des Energie- und Vitalstoffbedarfs
Personen, die an Morbus Crohn erkranken, sind durch die gestörte Resorptionsfunktion und die hohen Wasser- und Vitalstoffverluste über den Stuhl oftmals mit Energie und essentiellen Nähr- und Vitalstoffen unterversorgt. Insbesondere weisen Betroffene mit infektiösen Komplikationen und Abszessbildung einen gesteigerten Energiebedarf auf.

Die Mangelversorgung an Energie und wichtigen Nähr- und Vitalstoffen bei Morbus Crohn-Kranken ist häufig Folge

  • Ungenügender Zufuhr mit der Nahrung – Appetitmangel
  • Einseitiger Ernährung – erhöhter Gebrauch von raffinierten Kohlenhydraten, wie weißer Zucker, Weißmehlprodukte; geringer Ballaststoffverzehr; hoher Konsum chemisch aufbereiteter Speisefette
  • Wenig abwechslungsreiche Ernährung mit Defiziten an Energie, Nähr- und Vitalstoffen – aus Angst vor Unverträglichkeiten mit darauf folgender Symptomatik – unter anderem Schmerzen, Erbrechen, Diarrhöen
  • Eingeschränkte Diätempfehlungen
  • Nahrungsmittelintoleranzen, die mit Störungen der Nähr- und Vitalstoffresorption einhergehen
  • Einer gestörten Resorption beziehungsweise einer verminderten Resorptionsfläche – neben ausgedehntem Bakterienbefall im Darminneren auch nach Resektion von Teilen des Dünndarms
  • Eines Gallensäureverlustes
  • Einer erhöhten Ausscheidung mit dem Stuhl – chologene Diarrhö, chologener Fettstuhl –, die zu hohen Verlusten von Nähr- und Vitalstoffen führt
  • Eines vermehrten intestinalen Eiweißverlustes – enterales Eiweißverlustsyndrom
  • Gravierender Störungen im Eiweißstoffwechsel mit Verminderung des Gesamteiweißes im Blut – Hypalbuminämie – wird der Normalwert von Albumin im Blut von 3,6-5,0 g/dl unterschritten, vermindert sich der onkotische Druck und es kommt zur Ödembildung; zudem wird die Transportkapazität des Blutes aufgrund des Mangels an Transportplasmaproteinen, wie Transferrin, reduziert, wodurch der Organismus nur unzureichend mit lebenswichtigen Vitalstoffen versorgt werden kann
  • Negative Stickstoffbilanz infolge des Proteinmangels im Körper – körpereigenes proteinreiches Gewebe, wie das Muskelgewebe, wird verstärkt abgebaut und der dabei anfallende Stickstoff ausgeschieden, so dass mehr Stickstoff ausgeschieden als aufgenommen wird
  • Enteraler Fisteln, Abszesse, Fissuren sowie Stenosen
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Eines erhöhten Energiebedarfs bei Operationen sowie Blutvergiftung [1]

Crohn-Kranke weisen häufig einen erhöhten Bedarf [2] auf an

  • Vitamin A, D, E, K
  • Beta-Carotin
  • Vitamin C
  • Vitamin B2, B3, B6, B9, B12
  • Calcium
  • Magnesium
  • Phosphor
  • Kalium
  • Natriumchlorid
  • Eisen
  • Zink
  • Selen
  • Kupfer
  • Mangan
  • Molybdän
  • Sekundären Pflanzenstoffe, wie Carotinoide, Saponine, Sulfide und Polyphenole
  • Essentiellen Fettsäuren, wie Omega-3- und -6-Fettsäuren
  • Protein und wichtigen Aminosäuren
  • Ballaststoffen
  • Wasser

Beim aktiven Morbus Crohn werden häufig unter der Norm liegende Serumkonzentrationen von unter anderem Zink, Selen und Vitamin D beobachtet [5.1.].

Da Vitamin D oftmals in zu geringfügigen Mengen über die Nahrung aufgenommen wird – geringer Verzehr von Fisch, wie Aal und Hering – und die Sonnenlichtexposition vor allem während der Wintermonate gering ist, wird eine Vitamin D-Supplementation empfohlen [2].
Zudem tragen ständig wässrige Durchfälle zu den Vitalstoffdefiziten bei. Der vermehrte Verlust mit dem Stuhl erhöht den Bedarf an wasserlöslichen Vitaminen – Vitamin C, B-Vitamine – und an Elektrolyten, wie Calcium, Magnesium, Kalium sowie Natrium [3].



Literatur

  1. Biesalski, H. K., Fürst, P., Kasper, H., Kluthe, R., Pölert, W., Puchstein, Ch.,
    Stähelin, H., B.

    Ernährungsmedizin.
    Kapitel 27, 342-374
    Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1999
  2. Kasper, H.
    Ernährungsmedizin und Diätetik.
    Kapitel 3, 145-171
    Urban & Fischer Verlag; München/Jena 2000
  3. Schmidt, Dr. med. Edmund, Schmidt, Nathalie
    Leitfaden Mikronährstoffe.
    Kapitel 5, 500-512
    Urban & Fischer Verlag; München, Februar 2004
     
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