Akute Enteritis
Viral bedingt
Im Jahre 2002 wurden die Norwalk-Viren in Noroviren umbenannt. Zur Zeit wird angenommen, dass Norovirusinfektionen die häufigste Ursache akuter Gastroenteritiden sind. Diese meldepflichtige Infektionserkrankung brach in den letzten Jahren beispielsweise häufig auf Kreuzfahrtschiffen, in Krankenhäusern und in Altersheimen aus. Ein Häufigkeitsgipfel ist in den Winter- und Frühjahrsmonaten zu verzeichnen, da der wichtigste Übertragungsweg der Noroviren aerogen – über die Luft – stattfindet und viele weitere aerogen durch Viren übertragbare Erkrankungen – z. B. Influenza – ebenfalls in der kalten Jahreszeit die höchsten Inzidenzen aufweisen.
Das Rotavirus ist der häufigste Erreger für Durchfallerkrankungen im Kindesalter und der dritthäufigste Erreger für Durchfall bei Erwachsenen. Bei Erwachsenen tritt die Infektion häufig auf Reisen oder durch Ansteckung bei infizierten Kindern auf. Die Rotaviren werden mittels Schmier- oder Tröpfcheninfektion übertragen, die Inkubationszeit – Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung – liegt bei etwa ein bis drei Tagen.
Weitere Viren, die eine Enteritis verursachen können sind Adenoviren oder Enteroviren.
Bakteriell bedingt
Bakterien verursachen bei Erwachsenen in etwa 30 Prozent der Durchfallerkrankungen. Mögliche Erreger sind beispielsweise Escherichia coli oder auch E. coli, Campylobacter jejuni, Streptokokken und Staphylokokken.
Es sind beispielsweise eine Reihe von darmschädigenden E. coli-Stämmen bekannt, dazu gehören die so genannten ETEC = enterotoxische, EHEC = enterohämorrhagische, EIEC = enteroinvasive und EPEC = enteropathogene E.-coli-Stämme. Eine enterohämorrhagische Colitis – schwere Darmentzündung – wird durch EHEC hervorgerufen. Diese können bei 5-10 Prozent der Infizierten – vor allem bei Kindern – ein hämolytisch-urämisches Syndrom auslösen, welches mit einer Anämie – Blutarmut – und Niereninsuffizienz einhergeht.
Für die so genannte Reise-Diarrhoe sind die ETEC – enterotoxischen E. coli – verantwortlich.
Durch Salmonellen oder Shigellen bedingt
Salmonellen gelangen über unreines Trinkwasser oder den Verzehr kontaminierter Lebensmittel in den Körper. Dabei können infiziertes Fleisch – insbesondere Geflügel –, rohe Milch, Eier und Eierspeisen die Träger von Salmonellen sein.
Die Inkubationszeit liegt zwischen wenigen Stunden bis drei, maximal sieben Tagen. In den meisten Fällen klingen die Beschwerden schnell wieder ab, bei circa fünf Prozent der Patienten entwickeln sich jedoch systemische Symptome wie Fieber, Flüssigkeitsverlust und Gewichtsabnahme, was eine stationäre Behandlung notwendig macht.
Hinweis! Bereits der Verdacht auf eine Salmonellen-Erkrankung muss dem Gesundheitsamt gemeldet werden.
Die Übertragung von Shigellen erfolgt fäkal-oral, überwiegend durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch. Bereits bei einer minimalen aufgenommenen Keimdosis – 10-200 Keime – können klinische Symptome ausgelöst werden. Die Infektion zeigt eine Häufung in warmen Monaten, wobei Kinder besonders häufig betroffen sind.
Durch Vibrionen bedingt
Die Cholera-Erkrankung wird durch Vibrionen ausgelöst, wobei der Biotyp Vibrio cholerae El Tor den Hauptkeim darstellt. Es handelt sich bei der Cholera um eine enterotoxische, potentiell lebensbedrohliche Dünndarmerkrankung mit starken Durchfällen, Erbrechen, Muskelkrämpfen und Schock. Die Übertragung erfolgt fäkal-oral über fäkal verunreinigtes Wasser – z. B. bei Überschwemmungen und mangelnder Hygiene –, Meeresfrüchte, Fische und andere roh genossene Nahrungsmittel.
Durch Clostridien bedingt
Pseudomembranöse Colitis
Diese Form der Enteritis kann entstehen, indem die Darmflora durch Antibiotika so stark geschädigt wird, dass es zu einer übermäßigen Vermehrung des Clostridium difficile kommen kann, welches Bestandteil der gesunden Darmflora sein kann. Da das Clostridium difficile resistent gegen fast alle Breitspektrumantibiotika ist, kann es unter einer antibiotischen Therapie zu einer Vermehrung dieses Keims kommen. Betroffene Patienten leiden unter Fieber bis 40°C, blutig-schleimigen Durchfällen und Bauchschmerzen.
Durch Yersinien bedingt
Yersinien – insbesondere Yersinia enterocolitica – verursachen diese durch Tierkontakt und verunreinigte tierische Lebensmittel übertragene Darmentzündung. Nur bei etwa einem Prozent aller Durchfallerkrankungen ist dieser Erreger nachweisbar. Die Inkubationszeit beträgt 2-7 Tage. Die Infektion mit Yersinia pseudotuberculosis ähnelt einer Blinddarmentzündung, es können auch Beschwerden auftreten, die an einen Morbus Crohn oder eine Colitis ulcerosa erinnern lassen.
Durch Allergene bedingt
Patienten mit Nahrungsmittelallergien können ebenfalls eine Enteritis ausbilden. Diese wird dann als Enteritis allergica bezeichnet. Es handelt sich um eine Entzündung des ganzen Darms mit Schleimhautschwellung und Gewebseosinophilie – Vorhandensein von so genannten eosinophilen Granulozyten im Gewebe.
Durch Toxine – Gifte bedingt
Durch einige Schwermetalle – z. B. Quecksilber oder Blei – oder Gift-produzierende Bakterien wie Staphylokokken oder Bacillus cereus kann es innerhalb von wenigen Stunden zu Übelkeit, plötzlichem Erbrechen, krampfartigen Schmerzen und Durchfällen kommen.
Strahlenbedingt
Die empfindlichen Enterozyten – Darmzellen – können durch eine Bestrahlung geschädigt werden und es kann sich in der Folge eine Strahlenenteritis ausbilden.












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