Weitere Therapie
Depression

Allgemeine Maßnahmen

  • Nikotinrestriktion (Verzicht auf Tabakkonsum)
  • Begrenzter Alkoholkonsum (Männer: max. 25 g Alkohol pro Tag; Frauen: max. 12 g Alkohol pro Tag)
  • Normalgewicht anstreben!
    Bestimmung des BMI (Body Mass Index, Körpermassen-Index) bzw. der Körperzusammensetzung mittels der elektrischen Impedanzanalyse und ggf. Teilnahme an einem ärztlich betreuten Abnehmprogramm oder Programm für Untergewichtige.
    In einer Studie konnte nachgewiesen werden, dass bei Übergewichtigen die depressive Symptomatologie mit Gewicht-assoziierten Outcomes (Ergebnis) in Zusammenhang steht d. h., eine Senkung des Körpergewichts und eine Verbesserung der Ernährungsqualität tragen möglicherweise zu einer Verbesserung der Symptome einer Depression bei [5].
  • Körperlichen Aktivität – Patienten, die sich bewegen können, sollten Sport machen (s. u. Sportmedizin/Ausdauer- und Krafttraining)!
  • Überprüfung der Dauermedikation wg. möglicher Auswirkung auf die vorhandene Krankheit
  • Vermeidung psychosozialer Belastungen:
    • Einsamkeit im Alter – Alte Menschen leiden zwar nicht häufiger an Depressionen als junge Menschen, allerdings sind die depressiven Phasen im Alter länger andauernd und werden häufiger falsch behandelt
    • Stress (akute Belastungen und Lebenskrisen), besonders Dauerstress
  • Vermeidung von Drogen
  • Regelmäßige Ruhe- und Schlafphasen (Schlafhygiene; s. u. "Schlafhygiene")

Konventionelle nicht-operative Therapieverfahren

  • Elektrokrampftherapie (EKT; Synonym: Elektrokonvulsionstherapie)
    Indikationen:
    • Therapie der ersten Wahl:
      • wahnhafte Depression, depressiver Stupor, schizoaffektive Psychose mit schwerer depressiver Verstimmung,
      • Depression mit starker Suizidalität (Selbstmordgefährdung) oder Nahrungsverweigerung
      • akute, lebensbedrohliche (perniziöse) Katatonie.
    • Therapie der zweiten Wahl:
      • Patienten, die zuvor nicht auf auf eine Antidepressiva-Behandlung angesprochen haben.
      • Ältere Patienten mit schwerer Depression: schnellere Geschwindigkeit einer Remission [4]
    Die Behandlung findet unter Vollnarkose und medikamentöser Muskelrelaxation (Muskelentspannung) statt. Risiken bzw. Nebenwirkung sind damit minimalisiert. Response-Rate (Ansprechrate): 50-75 %. Damit ist die Elektrokrampftherapie das wirksamste antidepressive Verfahren.
    Häufige Nebenwirkungen sind kognitive Einschränkungen (Störungen des Kurzzeitgedächtnisses) bis zu 4 Tage nach Ende einer Elektrokrampftherapie. Zur Reduzierung des Rezidivrisikos (Risiko des Wiederauftretens) nach einer EKT sollte anschließend eine Pharmakotherapie erfolgen.
    Da eine Assoziation von EKT und Takotsubo-Kardiomyopathie (weibl. Patienten; Altersdurchschnitt: 65 Jahre) besteht [9], sollte nicht nur auf entsprechende klinische Symptome, sondern sollten auch herzspezifische Laborparameter überwacht und EKG-Kontrollen im Verlauf der EKT durchgeführt werden.
  • Magnetkonvulsionstherapie (MKT) – eine Form der transkraniellen Magnetstimulation (TMS): Verfahren mit dem mittels fluktuierender Magnetfelder (ca. 1 Tesla starke gepulste Magnetfelder) schmerzfrei ein elektrischer Strom durch den intakten Schädel (transkraniell) im Gehirngewebe erzeugt wird und dadurch neuronale Aktionspotenziale auslöst. Diese Methode hat den Vorteil, dass damit wesentlich kleinere Regionen des Kortex (Großhirnrinde) stimuliert werden können.
    Indikation: Patienten mit therapieresistenter Major-Depression
    Die MKT ist möglicherweise eine Alternative zur Elektrokrampftherapie.
  • Vagusnervstimulation (VNS) mit Implantation einer Elektrode im Halsbereich; Indikation (in den USA): therapieresistente Depression, wenn mindestens vier unterschiedliche Therapien – darunter auch Psychotherapie und EKT – nicht ausreichend geholfen haben.
    Therapieerfolg: Unter dieser Therapie sprachen die Patienten im Median nach einem Jahr erstmals an und nach vier Jahren mit konventioneller Therapie. Die erste Remission wurde unter dieser Therapie im Median nach 49 Monaten und nach 65 Monaten in der Kontrollgruppe erreicht [13].

Operatives Therapieverfahren

  • Tiefe Hirnstimulation (THS; Synonyme: Deep Brain Stimulation; DBS; "Hirnschrittmacher"; Tiefenhirnstimulation) – therapeutisches Verfahren der Neurochirurgie und Neurologie, welches primär zur Behandlung von Bewegungsstörungen, insbesondere eines fortgeschrittenen idiopathischen Parkinsonsyndroms, erfolgreich eingesetzt werden kann.
    Bei therapieresistenten Depressionen kann das Verfahren auch erfolgreich sein. Zielregionen sind unter anderem der subgenuale cinguläre Cortex und der Nucleus accumbens.
    • Die erste kontrollierte Studie zur tiefen Hirnstimulation bei Depression zeigte Ansprechraten, die nicht besser waren als mit einer Scheinstimulation [8].
    • Ca. 40 % der Depressionen sprechen auf eine Capsula-interna-Stimulation an [10].

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen

  • Regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen

Ernährungsmedizin

  • Ernährungsberatung auf der Grundlage einer Ernährungsanalyse
  • Ernährungsempfehlungen gemäß einem Mischköstler unter Berücksichtigung der vorliegenden Erkrankung. Das bedeutet:
    • täglich insgesamt 5 Portionen frisches Gemüse und Obst (≥ 400 g; 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst)
    • ein- bis zweimal pro Woche frischen Seefisch, d. h. fette Meeresfische (Omega-3-Fettsäuren) wie Lachs, Hering, Makrele
    • ballaststoffreiche Ernährung (Vollkornprodukte)
  • Beachtung folgender spezieller Ernährungsempfehlungen:
    • Meiden von: Trans-Fettsäuren – Trans-Fettsäuren erhöhen signifikant das Risiko an Depressionen zu erkranken [1]
    • Ernährung reich an:
      • Vitaminen (B2, B3, B6, B12, Folsäure, C, D)
      • Mineralstoffen (Magnesium)
      • Spurenelementen (Zink)
      • Omega-3-Fettsäuren (EPA, DHA)
      • Sekundären Pflanzenstoffen (z. B. Isoflavone, S-Adenosyl-Methionin, SAM)
  • Auswahl geeigneter Lebensmittel auf Grundlage der Ernährungsanalyse
  • Siehe auch unter "Therapie mit Mikronährstoffen (Vitalstoffe)" – ggf. Einnahme eines geeigneten Nahrungsergänzungsmittels
  • Detaillierte Informationen zur Ernährungsmedizin erhalten Sie von uns

Sportmedizin

  • Ausdauertraining (Cardiotraining) und Krafttraining (Muskeltraining)
    Ausdauertraining dreimal wöchentlich im Bereich von 50-85 % des Maximalpulses (HRmax) für zehn bis zwölf Wochen.
  • Zahlreiche Studien bestätigen die große Bedeutung von Sport und Bewegung für die Therapie der Depression (sogar bei schwerer Depression als Zusatztherapie geeignet [3]).
    • Besonders geeignet sind Ausdauersportarten wie Golfen, Langlauf, Tanzen, Rad fahren, Schwimmen und Tennis spielen. Aber auch lange Spaziergänge helfen als begleitende Therapie der Depression. 
    • Nicht zur Prävention einer Depression in der Adoleszenz geeignet [2]
  • Eine Metaanalyse von 25 Studien konnte bei depressiven Erkrankungen (Major Depression (MDD); mildere Erkrankungsformen) den Nutzen mit relativ hohen Effektstärken nachweisen [14].
  • Erstellung eines Fitness- bzw. Trainingsplans mit geeigneten Sportdisziplinen auf der Grundlage eines medizinischen Checks (Gesundheitscheck bzw. Sportlercheck)
  • Detaillierte Informationen zur Sportmedizin erhalten Sie von uns.

Physikalische Therapie (inkl. Physiotherapie)

  • Winterdepression: Einige Patienten sprechen gut auf eine Lichttherapie an: Der Patient sitzt zwei Wochen lang täglich vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang jeweils maximal eine Stunde vor einem Lichtgerät. Dadurch wird der Tag künstlich verlängert. Mit einer stärkeren Lichtwand von 10.000 Lux sind 30 Minuten am Tag ausreichend.
    Schon nach einigen Tagen kann es zur Stimmungsaufhellung kommen.
  • Major-Depression: Patienten mit einer mittelschweren Depression zeigten eine bessere Ansprechrate mit Lichttherapie als mit einem SSRI. Bei der Hälfte der Patienten führte die Therapie zu einer Symptomreduktion um mindestens 50 % versus 29 % bei Patienten mit einem SSRI. Die beste Ansprechrate zeigten Patienten die kombiniert mit SSRI und Lichttherapie behandelt wurden (76 %) [12].
  • Ganzkörperhyperthermie (Körper erhitzt auf 38,5 °C) [11]

Psychotherapie

  • Psychotherapie (hier: kognitive Verhaltenstherapie (KVT); Wirksamkeit ist belegt durch kontrollierte Studien); die Rezidivrate ("Wiederauftreten") nach einer Psychotherapie ist nach mehr als 2 Jahre zwar relativ hoch, aber dennoch deutlich niedriger als nach anderen Therapien.
  • Weitere psychotherapeutische Verfahren sind:
    • Interpersonelle Psychotherapie (IPT) – Kurzzeittherapie, die speziell für Patienten mit akuter Depression entwickelt wurde. Dieses Verfahren geht davon aus, dass die meisten Depressionen sich in einem interpersonellen bzw. psychosozialen Kontext entwickeln.
    • Klienten zentrierte Gesprächspsychotherapie (GPT) – ein von Rogers (1902-1987) entwickeltes Modell zur Motivation des Patienten zur Selbstexploration (Entdeckung der eigenen Person) mittels Verbalisierung von Gefühlen. Aufgabe des Therapeuten ist das Anbieten von Unterstützung und die Akzeptanz der Probleme des Patienten. Laut Rogers ist der Mensch in der Lage, sich durch diese Hilfestellung selbst Lösungen zu erarbeiten. Die Funktion des behandelnden Therapeuten ist in der Ausübung eines mitfühlenden Verhaltens zu sehen.
    • Systemische Therapie – psychotherapeutisches Verfahren, dessen besonderer Fokus auf dem sozialen Kontext psychischer Störungen liegt.
    • Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP) 
  • Depressionen in der Peri- und Postpartalen Zeit:
    • Um Depressionen in der Peripartalzeit zu begegnen, sollte Schwangeren eine Psychotherapie angeboten werden.
      Die US Preventive Services Task Force (USPSTF) empfiehlt bei perinataler Depression (Major-Depression) eine kognitive Verhaltenstherapie (KVT) oder auch eine interpersonelle Psycho­therapie (IPT). Beide Therapien haben in Studien, das Auftreten einer perinatalen Depression um 39 vermindert [15].
    • Yoga bei postpartaler Depression (PPD; Wochenbettdepression; im Gegensatz zu einem kurzzeitig anhaltenden „Baby-Blues“ birgt diese das Risiko für eine dauerhafte Depression – In einer Studie konnte gezeigt werden, dass Teilnehmerinnen, die Yoga praktizierten, wesentlich deutlichere Verbesserungen von Depression, Angst und Lebensqualität aufwiesen als die Kontrollgruppe [6].
  • Detaillierte Informationen zur Psychosomatik (inkl. Stressmanagement) erhalten Sie von uns.
  • Eine Liste der Psychotherapeuten in Ihrer Region erhalten Sie häufig auch bei Ihrer Krankenkasse oder einem niedergelassenen Psychiater/Neurologen/Nervenarzt.

Komplementäre Behandlungsmethoden

  • Ergotherapie – Arbeits- bzw. Beschäftigungstherapie
  • Soziotherapie – psychosoziales Therapieverfahren: umfasst Trainings- und Motivationsmethoden sowie Koordinierungsmaßnahmen

Organisationen und Selbsthilfegruppen

Falls Sie sich zu weiteren möglichen Therapiemaßnahmen informieren möchten, geben Sie in die Suche des DocMedicus Gesundheitsportals die jeweilige Krankheit ein und klicken auf "Enter". Das Ergebnis der Suche ist u. a. eine Trefferliste zur Kategorie "Therapie".

Literatur

  1. Sánchez-Villegas A, Verberne L, De Irala J, Ruíz-Canela M, Toledo E, Serra-Majem L, Martínez-González MA: Dietary fat intake and the risk of depression: the SUN Project. PLoS ONE 2011;6(1):e16268
  2. Toseeb U et al.: Exercise and Depressive Symptoms in Adolescents: A Longitudinal Cohort Study. JAMA Pediatr 2014; online 13. Oktober; doi: 10.1001/jamapediatrics.2014.1794
  3. Schuch FB, Vasconcelos-Moreno MP, Borowsky C, Zimmermann AB, Rocha NS, Fleck MP: Exercise and severe major depression: Effect on symptom severity and quality of life at discharge in an inpatient cohort. J Psychiatr Res. 2014 Nov 21. pii: S0022-3956(14)00314-8. doi: 10.1016/j.jpsychires.2014.11.005
  4. Spaans HP, Sienaert P, Bouckaert F, van den Berg JF, Verwijk E, Kho KH, Stek ML, Kok RM: Speed of remission in elderly patients with depression: electroconvulsive therapy v. medication. Br J Psychiatry. 2015 Jan;206(1):67-71. doi: 10.1192/bjp.bp.114.148213. Epub 2014 Oct 16.
  5. Flórez KR et al.: Associations between Depressive Symptomatology, Diet, and Body Mass Index among Participants in the Supplemental Nutrition Assistance Program. doi: http://dx.doi.org/10.1016/j.jand.2015.01.001
  6. Buttner MM et al.: Efficacy of yoga for depressed postpartum women: A randomized controlled trial. DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.ctcp.2015.03.003
  7. S3-Leitlinie: Unipolare Depression - Nationale VersorgungsLeitlinie. (AWMF-Registernummer: nvl-005), November 2015 Kurzfassung Langfassung
  8. Dougherty DD et al.: A Randomized Sham-Controlled Trial of Deep Brain Stimulation of the Ventral Capsule/Ventral Striatum for Chronic Treatment-Resistant Depression. Biological Psychiatry 2015, 78 (4):240-248.
  9. Sharp RP, Welch EB: Takotsubo cardiomyopathy as a complication of electroconvulsive therapy. Ann Pharmacother. 2011 Dec;45(12):1559-65. doi: 10.1345/aph.1Q393.
  10. Bergfeld IO et al.: Deep Brain Stimulation of the Ventral Anterior Limb of the Internal Capsule for Treatment-Resistant Depression. A Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry 2016; epub 6.4.16, doi:10.1001/jamapsychiatry.2016.0152.
  11. Janssen CW et al.: Whole-Body Hyperthermia for the Treatment of Major Depressive Disorder. A Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry. Published online May 12, 2016. doi:10.1001/jamapsychiatry.2016.1031
  12. Lam RW et al.: Efficacy of Bright Light Treatment, Fluoxetine, and the Combination in Patients With Nonseasonal Major Depressive Disorder. A Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry. 2016;73(1):56-63. doi:10.1001/jamapsychiatry.2015.2235.
  13. Aaronson ST et al.: A 5-Year Observational Study of Patients With Treatment-Resistant Depression Treated With Vagus Nerve Stimulation or Treatment as Usual: Comparison of Response, Remission, and Suicidality. Am J Psych 2017, epub 31.3.2017, doi: 10.1176/appi.ajp.2017.16010034.
  14. Schuch FB et al.: Exercise as a treatment for depression: A meta-analysis adjusting for publication bias. J Psychiatr Research 2016; 77: 42-51. doi.org/10.1016/j.jpsychires.2016.02.023
  15. O'Connor E et al.: Interventions to Prevent Perinatal Depression. Evidence Report and Systematic Review for the US Preventive Services Task Force. JAMA. 2019;321(6):588-601. doi:10.1001/jama.2018.20865

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Unipolare Depression - Nationale VersorgungsLeitlinie. (AWMF-Registernummer: nvl-005), November 2015 Kurzfassung Langfassung
  2. S3-Leitlinie: Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen. (AWMF-Registernummer: 038-020), Oktober 2018 Kurzfassung Langfassung
     
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