Symptome – Beschwerden
Depression

Nachfolgend die Symptome einer depressiven Episode [1]:

Hauptsymptome

  • depressive, gedrückte Stimmung
  • Interessenverlust und Freudlosigkeit
  • Antriebsmangel, erhöhte Ermüdbarkeit (oft selbst nach kleinen Anstrengungen) und Aktivitätseinschränkung

Zusatzsymptome (nach ICD-10 (siehe dort Kapitel F32):

  • verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit
  • negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
  • Suizidgedanken/-handlungen
  • Insomnie (Schlafstörungen)
  • Inappetenz (verminderter Appetit)

Klassifikation des Schweregrades einer Depression

  • Leichte Depression: (2 Hauptsymptome + 2 Zusatzsymptome) + Symptome ≥ 2 Wochen
  • Mittelgradige Depression: (2 Hauptsymptome + 3-4 Zusatzsymptome) + Symptome ≥ 2 Wochen
  • Schwere Depression: (3 Hauptsymptome + ≥ 4 Zusatzsymptome) + Symptome ≥ 2 Wochen

Subtypisierung: Somatisches Syndrom und psychotische Symptome

In der ICD-10 kann bei leichten- bzw. mittelgradigen depressiven Episoden auch klassifiziert werden, ob zusätzlich zu den Haupt- und Zusatzsymptomen ein somatisches Syndrom vorliegt.

Typische Merkmale des somatischen Syndroms sind:

  • Interessenverlust oder Verlust der Freude an normalerweise angenehmen Aktivitäten
  • mangelnde Fähigkeit, auf eine freundliche Umgebung oder freudige Ereignisse emotional zu reagieren
  • frühmorgendliches Erwachen, zwei oder mehr Stunden vor der gewohnten Zeit
  • Morgentief
  • der objektive Befund einer psychomotorischen Hemmung oder Agitiertheit
  • deutliche Anorexie (Appetitlosigkeit)
  • Gewichtsverlust, häufig mehr als 5 % des Körpergewichts im vergangenen Monat
  • deutlicher Libidoverlust

Die Depression mit somatischem Syndrom entspricht der Form nach der depressiven Störung, die früher als "endogen" oder "autonom" bezeichnet wurde. In der ICD-10 wird das als „somatisch“ bezeichnete Syndrom synonym auch als "melancholisch", "vital", "biologisch" oder "endogenomorph“ benannt.

Typische psychotische Symptome sind:

  • Wahnideen
  • Halluzinationen
  • depressiver Stupor (Starrezustand des Körpers). Wahn und Halluzinationen

Unterteilung einer depressiven Episode 

  • monophasisch
  • rezidivierend/chronisch
  • im Rahmen eines bipolaren Verlaufs

Beschwerden, die auf eine depressive Störung hinweisen können (modifiziert nach [2])

  • Allgemeine körperliche Abgeschlagenheit, Mattigkeit 
  • Appetitstörungen, Magendruck, Gewichtsverlust, Obstipation (Verstopfung), Diarrhoe (Durchfall)
  • Insomnie (Schlafstörungen: Ein- und Durchschlafstörungen)
  • Druckgefühl in Hals und Brust, Globusgefühl (Kloßgefühl: Fremdkörpergefühl im Rachen bzw. Hals klagt, das unabhängig von der Nahrungsaufnahme)
  • Funktionelle Störungen:
    • Herz und Kreislauf – z. B. Tachykardie (beschleunigter Puls auf über 100 Schläge pro Minute), Arrhythmie, Synkopen (kurzzeitige Bewusstlosigkeit)
    • Atmung – z. B. Dyspnoe (Atemnot)
    • Magen und Darm
  • Diffuser Kopfschmerz
  • Schwindelgefühle, Flimmern vor den Augen, Sehstörungen
  • Muskelverspannungen, diffuse Nervenschmerzen (neuralgiforme Schmerzen)
  • Libidoverlust, Sistieren der Menstruation (Regelblutung), Impotenz, sexuelle Funktionsstörungen
  • Kognitionsstörungen (Gedächtnisstörungen)

Nachfolgend die Symptome der Depression, unterteilt in psychische und somatische Beschwerden:

Psychische Beschwerden

  • Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit, Traurigkeit – hoffnungslose Stimmung, morgens häufig am schlimmsten
  • Erhöhte Ermüdbarkeit
  • Agitiertheit (innere Unruhe) und Leere
  • Aggression
  • Angst oder Reizbarkeit
  • Fehlende Lebensfreude (Freudlosigkeit) – nachlassendes Interesse und Rückzug aus dem sozialen Umfeld
  • Übersteigerte Kränkbarkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • Allgemeine Verlangsamung der mentalen Aktivität
  • Unentschlossenheit und Schwierigkeiten, klar zu denken
  • Interessenverlust – Desinteresse an Kleidung und Erscheinungsbild
  • Vermindertes Selbstwertgefühl
  • Schuldgefühle, Selbstanklagen
  • Hypochondrie
  • Libidoverlust bei Mann und Frau
  • Ständige Beschäftigung mit pessimistischen Gedanken
  • Gestörte Farbwahrnehmung – alles erscheint grau
  • Gefühl der Hoffnungslosigkeit
  • Gedanken an Selbstmord

Somatische Beschwerden

  • Schlafstörungen  frühes Aufwachen (= Durchschlafstörung) und Probleme beim Wiedereinschlafen
  • Anorexie (Appetitlosigkeit) und Gewichtsverlust – bei manchen Patienten wird aber auch übermäßiges Essen beobachtet, dass schnell zur Adipositas führt
  • Obstipation (Verstopfung)
  • Unerklärliche Schmerzen oder schmerzendes Unwohlsein an einer beliebigen Körperstelle
  • Kopfschmerzen
  • Körperliche Beschwerden

Die Symptome können sich über Wochen und Monate oder in Tagen oder Stunden entwickeln.

Gender-Unterschiede (Gendermedizin)

  • Symptommuster:
    • Mann: Irritabilität, Aggressivität und antisoziales Verhalten sowie vermehrter bis exzessiver Alkohol- und Nikotinkonsum (Substanzabusus); erhöhte Suizidalität (Selbstmordgefährdung) 
    • Frau: Unruhe, depressive Verstimmung und Klagsamkeit

Depression im Alter

Im Alter sind gewisse Besonderheiten in Bezug auf das Beschwerdebild festzustellen.

Die Altersdepression ist durch die gleichen Symptome wie eine Depression bei jüngeren Menschen gekennzeichnet. Allerdings erschweren im Alter Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) wie Diabetes mellitus, Apoplex (Schlaganfall), Morbus Parkinson oder auch psychiatrischer Erkrankungen wie Angststörungen oder Demenz die Diagnosestellung einer Depression. Ganz allgemein kann man sagen, dass im Alter, insbesondere bei Vorliegen einer Pflegebedürftigkeit, vorhandene körperliche Beschwerden das Depressionsrisiko erhöhen. 

Im Unterschied zu jungen Menschen trauen sich ältere häufig jedoch nicht, ihre verschlechterte Stimmung zu zugeben oder gar als Krankheitssymptom zu bewerten. Ältere Menschen sind aber eher bereit über ihre Ängste zu sprechen. Außerdem klagen ältere Depressive mehr über körperliche Beschwerden.

Am häufigsten werden folgende körperliche Beschwerden genannt:

  • Schnelle Ermüdung
  • Kraftlosigkeit
  • Atemnot, Kurzatmigkeit
  • Herzklopfen
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Schmerzen

Literatur

  1. S3-Leitlinie: Unipolare Depression - Nationale VersorgungsLeitlinie. (AWMF-Registernummer: nvl-005), November 2015 Kurzfassung Langfassung
  2. Härter M, Bermejo I, Niebling W: Praxismanual Depression – Diagnostik und Therapie erfolgreich umsetzen. 2007, Köln: Deutscher Ärzteverlag.

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Unipolare Depression - Nationale VersorgungsLeitlinie. (AWMF-Registernummer: nvl-005), November 2015 Kurzfassung Langfassung
     
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