Lungenszintigraphie
Einleitung

Die Lungenszintigraphie ist eine Untersuchungsmethode der Nuklearmedizin. Sie erlaubt eine funktionelle Untersuchung der Lunge. Je nach Fragestellung wird eine Ventilationsszintigraphie, eine Lungenperfusionsszintigraphie oder kombiniert eine Ventilations-Perfusions-Szintigraphie durchgeführt.

Die eigentliche Funktion der Lunge ist der Gasaustausch, der sich in drei Schritten vollzieht: Ventilation, Diffusion und Perfusion.

  • Perfusion: Die Durchblutung der Lunge erfolgt über die Vasa publica (kleiner Kreislauf mit venösem Blut aus dem Körper, das zur Oxygenierung/Sauerstoffanreicherung in die Lunge transportiert wird) sowie über die Vasa privata (lungeneigene Gefäße zur Versorgung des Lungengewebes, auch Entzündungen oder Tumoren werden über diese Gefäße versorgt). Bei der Perfusionsszintigraphie werden radioaktiv markierte Partikel verwendet, deren Größe mit 15-40 µm etwas über dem Durchmesser der Lungenkapillaren (ca. 8 µm) liegt. Zur intravenösen Applikation (Gabe in die Vene) der Partikel wird deren Anzahl so abgeschätzt, dass ungefähr jede 1.000. Kapillare blockiert wird. Radiopharmaka (radioaktive Arzneimitte) der Wahl sind 99mTc-MAA (makro-aggregierte-Albuminpartikel). Die Perfusionsszintigraphie ist besonders gut geeignet zur Darstellung eines intrapulmonalen Rechts-Links-Shunts (Störung des Blutkreislaufs der Lunge, bei der sauerstoffarmes Blut aus dem venösen Schenkel des Blutkreislaufs direkt in den arteriellen Schenkel des Blutkreislaufs gelangt). 
  • Ventilation: Die Ventilation beschreibt den Gaswechsel in den Atemwegen und kann durch Inhalation radioaktiver Edelgase oder radioaktiver Aerosole erfasst werden. Heute wird die letztere Methode verwendet, wobei meist 99mTc-Pertechentat auf Graphit verdampft und zur Inhalation gegeben wird, sodass die Schwebepartikel bis in die Alveolen gelangen und dort quantifiziert werden können. Der Ventilationsszintigraphie mit 99mTc-Aerosol wird meist eine Perfusionsszintigraphie mit 99mTc-MAA angeschlossen. Diese Methode ist besonders bei V. a. (Verdacht auf) akute Thromboembolie (ein Thrombus (Blutgerinnsel) führt zu einer Embolie, d. h. zu einem teilweisen oder vollständigen Verschluss eines Blutgefäßes der Lunge) indiziert.
  • Diffusion: Die Quantifizierung der Diffusion ist schwieriger und erfolgt meist über die Erfassung der Resorption liquider (flüssiger) Partikel aus den Alveolen (Lungenbläschen) und terminalen Bronchioli (resorptive Clearance der Lunge in den endständigen kleinen Ästen der Bronchien). Zu den Krankheitsbildern mit erhöhter alveolärer Permeabilität (Durchlässigkeit) gehören z. B. Pneumonie (Lungenentzündung), allergische Alveolitis (allergisch bedingte Entzündung der Lungenbläschen), Strahlenpneumonitis (Synonym; Bestrahlungspneumonie; dieses ist eine interstitielle Pneumonie (Lungenentzündung, die sondern das Interstitium, d.h. die schmale Bindegewebsschicht zwischen den Alveolen und den Blutgefäßen, betrifft), welche nach großvolumiger Bestrahlung bei einer Radiatio (Strahlentherapie) als akute oder chronische Nebenwirkung auftreten kann) etc.

Außerdem verfügt die Lunge über Selbstreinigungsmechanismen wie die Makrophagentätigkeit oder den mukoziliären Transport von Schleim und eingedrungenen Partikeln aus den Bronchien hinaus. Diese mukoziliäre Clearance kann ebenfalls szintigraphisch erfasst werden, wobei der klinische Einsatz heute eher noch beschränkt ist. 

Nachfolgend werden die beiden Verfahren
Ventilationsszintigraphie und Lungenperfusionsszintigraphie vorgestellt.

Literatur

  1. Hermann HJ: Nuklearmedizin. Elsevier Verlag 2004
  2. Schober O: Nuklearmedizin: Basiswissen und klinische Anwendung. Schattauer Verlag 2007
  3. Schümichen C: Nuklearmedizinische Diagnostik der Lunge. Radiologe 2000. 40:878-887

Leitlinien

  1. S1-Leitlinie: Lungenszintigraphie. (AWMF-Registernummer: 031 - 005), November 2017 Langfassung

     
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