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Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex-Test

Beim Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex-Test (HHKT) handelt es sich um eine diagnostische Methode der Gastroenterologie zur Erkennung von intestinalen (innerhalb der Organe) Blutungen. Das Grundprinzip dieser immunologischen Diagnosetechnik zum Nachweis intestinaler Blutungen beruht auf den biochemischen Eigenschaften des Hämoglobins beziehungsweise des Haptoglobins (im Blutplasma vorhandenes Eiweiß). Auf Grund dessen lassen sich bei intestinalen Blutungen vermehrt Hämoglobin-Haptoglobin-Komplexe im Darmlumen feststellen. Der Nachweis dieser Komplexe erfolgt dann mit Hilfe einer Stuhlprobe. Von wichtiger Bedeutung ist der Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex-Test bei der Erkennung von Erkrankungen, die mit Blutungen im Darmbereich assoziiert sind. Auf Grund dessen lassen sich beispielsweise Hämorrhoiden, Autoimmunerkrankungen mit Befall des Darms oder auch diverse Tumoren (Darmpolypen; Dickdarmkrebs) mit dem Testverfahren nachweisen.

Das Verfahren

Ein wichtiger Faktor für den Erfolg in der Früherkennung von zum Beispiel Tumoren im Darmbereich stellt die niedrige benötigte Menge von Blut dar, die im Stuhl mit Hilfe dieser immunologischen Untersuchung nachgewiesen werden kann. Der Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex-Test und der Hämoglobin-Test erfolgen mittels ELISA. ELISA steht für Enzyme Linked Immunosorbent Assay und bezeichnet ein immunologisches Nachweisverfahren, bei dem die spezifische Bindungsreaktion zwischen Antikörpern und Antigenen zur Darstellung von Viren, Proteinen oder Hormonen genutzt wird. Beim ELISA nutzt man die Eigenschaft der eingesetzten spezifischen Antikörper, dass diese an den nachzuweisenden Stoff (Antigen) binden. Je nach ELISA-Test besteht die Möglichkeit, Antikörper oder Antigen zuvor mit einem Enzym (potentiell aktive Eiweißstruktur) zu markieren. Die durch das Enzym beschleunigte Reaktion dient als Nachweis für das Vorliegen des Antigens. Das  Substrat (Ausgangsstoff) wird vom jeweiligen Enzym umgesetzt, sodass in der Folge das Reaktionsprodukt in der Regel durch einen Farbumschlag oder durch das Vorliegen einer Fluoreszenz nachgewiesen wird. Die Stärke des Farbumschlages ist direkt abhängig von der Menge an Antigen in den Vertiefungen und dient somit gleichzeitig der quantitativen Beurteilung (Beurteilung der vorliegenden Masse oder Konzentration) der Untersuchungsprobe.

Der Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex entsteht permanent intravasal (innerhalb der Blutgefäße) durch den Austritt von Hämoglobin aus gealterten Erythrozyten (rote Blutkörperchen). Das Hämoglobin bindet dabei an die β-Untereinheit von α-Haptoglobin (spezielle Struktur des Haptoglobins). Dieser Komplex wird rasch durch das retikulohistiozytäre System aus dem Blut eliminiert. Zum retikulohistiozytären System gehören alle phagozytierenden Zellen (Fresszellen), die auch zur zellulären Immunantwort gehören. Durch die rasche Elimination (Entfernung) beträgt die Halbwertszeit (Zeit, bei der sich die Menge halbiert hat) dieses Komplexes circa zehn bis 30 Minuten. Im Vergleich dazu beträgt die Halbwertszeit von freiem Haptoglobin etwa fünf Stunden. Bei gesunden Personen liegt der Hämoglobin-Haptoglobin-Wert unter zwei Mikrogramm pro Milliliter Blut. Ist dieser Wert deutlich erhöht, so besteht zu 95 %-iger Wahrscheinlichkeit eine intestinale Blutung.

Transport/Lagerung: Transport innerhalb 24 h, Zwischenlagerung im Kühlschrank (4 - 8 °C) bis zu 1 Tag möglich.
Bei Verwendung spezieller Abnahmesysteme ist das Material nach Probenentnahme bei Raumtemperatur für 5 Tage stabil.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Hämorrhoiden – je nach Stadium der Hämorrhoiden handelt es sich um ein klinisch relevantes und gegebenenfalls zu Symptomen führendes Gefäßpolster.– chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED); verläuft meist in Schüben und kann den gesamten Verdauungstrakt befallen; charakterisierend ist der segmentale Befall der Darmmukosa (Darmschleimhaut), das heißt es können mehrere Darmabschnitte befallen sein, die durch gesunde Abschnitte voneinander voneinander getrennt sind. – chronisch-entzündliche Darmerkrankung
  • Colitis ulcerosa – im Gegensatz zum Morbus Crohn lässt sich bei einer Colitis ulcerosa eine kontinuierliche Ausbreitung der entzündlichen Infiltrate über den Verdauungstrakt feststellen.
  • Tumoren – der Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex-Test dient hier als eine spezifische und sensitive Methode zur Diagnose von kolorektalen Adenomen und Karzinomen. Hierbei erkennt der Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex-Test vermehrt die Adenome und wird deshalb häufig mit dem immunologischen Hämoglobin-Test des Stuhls kombiniert, der sensitiver und spezifischer für Kolonkarzinome ist.

Vorteile des Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex-Tests

  • Im Gegensatz zu anderen Nachweismethoden ist der Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex-Test unempfindlicher gegenüber Vitamin C und Fleisch, sodass bei vorherigem Konsum keine Verfälschung der Testergebnisse erfolgen kann.
  • Auf Grund der hohen Sensitivität (Prozentsatz erkrankter Patienten, bei denen die Krankheit durch die Anwendung des Tests erkannt wird, d. h. ein positives Testresultat auftritt) und Spezifität (Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich Gesunde, die nicht an der betreffenden Erkrankung leiden, im Test auch als gesund erkannt werden) dieser immunologischen Methoden stellt das Verfahren das Mittel der Wahl bei einem Nachweis von Blut im Stuhl dar, da es sowohl leicht durchführbar, als auch klinisch aussagekräftige Ergebnisse liefern kann.
  • Des Weiteren ist bei diesem Verfahren der Vorteil gegeben, dass der Patient keine spezielle Diät einhalten muss. Dieser Vorteil ergibt sich aus der Tatsache, dass immunologische Methoden ausschließlich auf dem Prinzip der Bindung von hochspezifischen Antikörpern funktionieren.
  • Immunologische Testverfahren, die auf der spezifischen Erkennung des Hämoglobins im Stuhl basieren, verfügen im Vergleich zu weiteren immunologischen Testverfahren über eine signifikante Steigerung der Sensitivität und Spezifität. In verschieden klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass mit Hilfe dieses immunologischen Tests ungefähr 95 % der Kolonkarzinome (Darmkrebsfälle) und 70 % der Kolonpolypen (Gewebevorwölbungen in das Lumen des Kolons; einige Arten der Kolonpolypen sind Präkanzerosen für das Kolonkarzinom) erkannt werden. Ein Nachteil ist der bakterielle Abbau von Hämoglobin im Darm, wodurch es zu falsch negativen Werten bei älteren (> 24 Std.) Stuhlproben kommen kann.

Nachteile des Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex-Tests

  • Bei der Auswertung des immunologischen Verfahrens ist zu beachten, dass ein bakterieller Abbau von Hämoglobin im Darm erfolgt. Auf Grund dessen besteht die Möglichkeit, dass es zu falsch negativen Werten bei älteren (mehr als 24 Stunden alten) Stuhlproben kommen kann.

Interpretation

Ein positives Testergebnis erfordert die endoskopische Untersuchung des gesamten Dickdarms (Koloskopie).

Die koloskopische Abklärung sollte gemäß einer europäischen Qualitätsleitlinie innerhalb von 31 Tagen erfolgen [6]. Auswertungen des Forschungsinstituts von Kaiser Permanente von Patienten mit einem positiven Testergebnis zeigten, dass das Risiko, dass bei einer Koloskopie ein Kolonkarzinom entdeckt wurde, mit jedem Monat um 3 % anstieg. Eine signifikant erhöhte Tumorrate (im Vergleich zu Patienten, die im ersten Monat einen Koloskopie-Termin hatten) zeigte sich jedoch erst nach einer 10-monatigen Verzögerung der Koloskopie [7]. 

Literatur

  1. Hundt S, Haug U, Brenner H: Früherkennung von Darmkrebs. Der Gynäkologe. 2010. 43:173-175
  2. Sieg A, Thoms C, Lüthgens K, John MR, Schmidt-Gayk H: Detection of colorectal neoplasms by the highly sensitive hemoglobin-haptoglobin complex in feces. International Journal of Colorectal Disease. 1999. 14:267-271
  3. Engvall E: Immunochemistry. Elsevier B.V. 1971
  4. Löffler G: Biochemie und Pathobiochemie. Springer Verlag 2007
  5. Beinecke M: Tumormarker. Sinnvoller Einsatz in der Praxis. Bioscientia. 2007. 1:1-7
  6. Valori R et al.: European guidelines for quality assurance in colorectal cancer screening and diagnosis. First Edition – Quality assurance in endoscopy in colorectal cancer screening and diagnosis. Endoscopy 2012; 44(S 03): SE88-SE105. doi: 10.1055/s-0032-1309795
  7. Corley DA et al.: Colorectal Cancer and Cancer Stage at Diagnosis. JAMA. 2017;317(16):1631-1641. doi:10.1001/jama.2017.3634

     
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