Die Syphilis wird wie folgt weiter unterteilt in
- Syphilis acquisita - erworbene Syphilis
- Frühsyphilis (= Primärstadium und Sekundärstadium)
- Spätsyphilis (= Tertiärstadium und Quartärstadium)
- Syphilis connata – angeborene Syphilis durch Ansteckung im Mutterleib
Die Erkrankung ist meldepflichtig.
Erreger und Übertragung
Die Erkrankung wird durch den Erreger Treponema pallidum, eine Spirochätenart, verursacht. Dieser Erreger wird in nahezu allen Fällen einer Erkrankung beim Geschlechtsverkehr übertragen.
Eintrittspforten sind die verletzte Haut oder die Schleimhäute. Über das Lymphsystem breitet sich der Erreger im Körper aus und gelangt so auch in die Blutbahn und zu den inneren Organen.
Seltenere Übertragungswege sind asexuelle Personenkontakte, die Ansteckung im Mutterleib – Syphilis connata – und Bluttransfusionen.
Achtung!
Symptome - Beschwerden
Frühsyphilis
Primärstadium
Nach circa drei Wochen bildet sich im Bereich der Eintrittsstelle der Erreger aus einer Papel ein etwa münzengroßer, derber so genannter Primärulkus – "harter Schanker".Dieser Primärulkus kann an jeder Körperstelle auftreten, findet sich jedoch zu über 90 % im Bereich der Genitalien. Es handelt sich typischerweise um eine einzelne, schmerzlose Papel – Erhabenheit der Haut – die rasch erosiv wird und sich verhärtet. Insbesondere am Rand und auf dem Grund des Geschwürs kann man die charakteristische knorpelige Substanz tasten.
Bei heterosexuellen Männern ist der Primäraffekt üblicherweise am Penis lokalisiert, während er bei homosexuellen Männern auch im Analkanal bzw. Enddarm oder im Mund auftreten kann.
Bei Frauen sind Gebärmutterhals und die Schamlippen die üblichen Stellen der Ersterscheinung. Aus diesen Gründen wird die primäre Syphilis bei Frauen und bei homosexuellen Männern öfter verkannt als bei heterosexuellen Männern. Etwa sechs Wochen nach der Infektion kommt es zum Anschwellen und Entzündung regionaler Lymphknoten, man spricht jetzt vom „syphilitischen Primärkomplex“.
Das Primärulkus heilt im Allgemeinen von 4 bis 6 Wochen ab, die Schwellung der Lymphknoten kann über Monate verbleiben.
Sekundärstadium
Sind circa acht bis zwölf Wochen seit Infektion vergangen, treten folgende Symptome auf
- Hell- bis braunroter, fleckiger Hautausschlag am ganzen Körper, ohne Juckreiz
- Allgemeines Krankheitsgefühl
- Generalisierte Lymphknotenschwellung
- Kopf- und Gliederschmerzen
- Fieber
- Beschleunigte Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit
Seltenere Symptome in diesem Stadium sind
- Arteriitis – Entzündung einer Arterie
- Meningoenzephalitis – Gehirnhautentzündung, die auf das Gehirn übergreift
- Periostitis – Entzündung der Knochenhaut
- Iritis – Entzündung der Regenbogenhaut des Auges
- Icterus syphiliticus praecox – Gelbfärbung der Haut
Spätsyphilis
TertiärstadiumDie Symptome der Spätsyphilis sind erst etwa fünf bis zehn Jahre nach der Infektion zu beobachten
- Hautausschläge
- Fleckenartiger, schuppenflechte-ähnlicher Ausschlag an Hand- und Fußsohlen
- Nässende, wuchernde Papeln im Genital- und Analbereich
- Angina syphilitica
- Alopecia specifica – kleinfleckiger Haarausfall
- Syphilitisches Leukoderm – fleckförmige Entfärbungen der Haut
Quartärstadium
Eine Sonderform der Spätsyphilis stellt die Neurosyphilis dar, die das Nervensystem betrifft. Im Zuge der Neurosyphilis kommt es zum Befall des Rückenmarks und zum Untergang von grauer Hirnsubstanz.
Eine Spätkomplikation circa 30 Jahre nach Infektion stellt die Mesaortitis luica dar. Hierbei kommt es zur Zerstörung von glatten Muskelzellen und elastischen Fasern in der Aorta (Herzschlagader), wodurch diese sich stark erweitern kann - Aneurysma. Eine Ruptur (Riss) der Aorta in diesem Bereich kann tödlich sein.
Weiterhin im Quartärstadium zu beobachten ist der so genannte Tabes dorsalis – Rückenmarksschwindsucht. Hierbei degenerieren die Hinterstränge des Rückenmarks, was mit Symptomen wie Verlust der Eigenreflexe, Störungen der Tiefensensibilität, Augenmuskellähmungen und Blasenstörungen verbunden ist.
Syphilis connata
Diese Form der Syphilis wird ab dem fünften Schwangerschaftsmonat von der Mutter auf das ungeborene Kind übertragen.
Dies kann im Falle einer Frühsyphilis der Mutter zu einer frühen Totgeburt des Kindes im 6.-7. Monat führen.
Säuglinge, die von der Mutter mit Syphilis infiziert wurden, sind meist Frühgeburten. Symptome der Säuglingssyphilis sind unter anderem
- Hepatosplenomegalie – Leber- und Milzvergrößerung
- Generalisierte Lymphadenitis – Lymphknotenentzündung
- Interstitielle Pneumonie – Lungenentzündung
- Iritis - Entzündung der Regenbogenhaut des Auges
- Anämie – Blutarmut
- Thrombozytopenie – verminderte Zahl der Thrombozyten
- Eventuell Neurolues
- Osteochondritis – - Knochen- und Knorpelentzündung
- Perichondritis – Entzündung der Knorpelhaut
- Sehr selten Osteomyelitis - Knochenmarksentzündung
- Haut – krustige Einrisse um den Mund und Papel-Bildung
- Eitriger, blutiger Schnupfen durch Befall der Nasenschleimhaut
- Hepatosplenomegalie – Leber- und Milzvergrößerung
- Pneumonia alba – Lungenentzündung
Diese Form geht einher mit
- Innenohrschwerhörigkeit
- Keratitis parenchymatosa – allergische Reaktion der Hornhaut des Auges
- Hutchinson-Zähne – verformte Zähne
- Säbelscheidentibia – Deformierung des Schienbeins
- Sattelnase
- Quadratschädel
- Perforationen von Nasenseptum und Gaumen
Diagnostik
Der Erreger kann im Serum nachgewiesen werden, welches an der Eintrittsforte dem Primärulkus entnommen wurde. Des Weiteren kann eine Punktion der regionalen Lymphknoten erfolgen, um dort den Erreger nachzuweisen. Auch im Blut lassen sich die Erreger mittels Antikörpertest feststellen. Im Falle des Verdachtes auf Neurosyphilis muss eine Liquor-Probe entnommen und untersucht werden.
Labordiagnostische Untersuchungen zur Feststellung einer Infektion
- TPHA-Test
- FTA- ABS-Test
Zur Kontrolle der Aktivität einer Syphilis gibt es folgende labordiagnostische Untersuchungen
- VDRL-Test
- Kardiolipin – Komplementbindungsreaktion
- IgM - FTA-Test
Therapie
Zur Therapie wird als Mittel der ersten Wahl Penicillin eingesetzt, welches auch nach 50 Jahren der Behandlung der Syphilis eine unverminderte Wirksamkeit besitzt.
Die Frühsyphilis muss circa 14 Tage behandelt werden, die Spätsyphilis für etwa drei bis vier Wochen.
Im Falle einer Neurosyphilis sind hoch dosierte Penicillin-G-Infusionen für zehn Tage und anschließende Gabe von Benzathin-Penicillin für drei Wochen angezeigt.Alternative Antibiotika – z. B. bei Penicillinallergie – sind Cephalosporine und Tetracycline sowie Erythromycin, wobei sich die Behandlungsdauer der Neurosyphilis unter diesen Medikamenten auf drei bis vier Wochen erhöht.Die Syphilis connata wird ebenfalls mit Penicillin behandelt.
Zur Therapiekontrolle läßt sich der VDRL-Titer bestimmen, welcher bei adäquater Behandlung absinkt.
Bei rechtzeitiger Behandlung heilt die Syphilis folgenlos aus.











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