Poliomyelitis-Impfung

Die Poliomyelitis-Impfung (Synonym: Polio-Impfung) ist eine Standardimpfung (Regelimpfung), die mittels einer inaktivierten Polio-Vakzine (abgekürzt IPV; Totimpfstoff) durchgeführt wird.

Poliomyelitis (Kinderlähmung) wird durch das Poliovirus verursacht und kann zu Lähmungen vor allem der Beine führen. Meist verläuft die Erkrankung jedoch entweder asymptomatisch – ohne erkennbare Symptome – oder leichten grippalen Symptomen.

Nachfolgend die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut zur Poliomyelitis-Impfung:

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • S/A: Alle Personen bei fehlender oder unvollständiger Grundimmunisierung
    Alle Personen ohne einmalige Auffrischimpfung
  • I: Für folgende Personengruppen (wg. erhöhten individuellen Risikos) ist eine Impfung indiziert:
    • Reisende in Regionen mit Infektionsrisiko (die aktuelle epidemische Situation ist zu beachten, insbesondere die Meldungen der WHO)
    • Aussiedler, Flüchtlinge und Asylbewerber, die in Gemeinschaftsunterkünften leben, bei der Einreise aus Gebieten mit Poliomyelitis-Risiko
  • B: Personal der oben genannten Einrichtungen (wg. erhöhten beruflichen Risikos)
    • medizinisches Personal, das engen Kontakt zu Erkrankten haben kann
    • Personal in Laboren mit Poliomyelitis-Risiko

Legende

  • S: Standardimpfungen mit allgemeiner Anwendung 
  • A: Auffrischimpfungen
  • I: Indikationsimpfungen für Risikogruppen bei individuell (nicht beruflich) erhöhtem Expositions-, Erkrankungs- oder Komplikationsrisiko sowie zum Schutz Dritter
  • B: Impfungen auf Grund eines erhöhten beruflichen Risikos, z. B. nach Gefährdungsbeurteilung gemäß Arbeitsschutzgesetz/Biostoffverordnung/ Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) und/oder zum Schutz Dritter im Rahmen der beruflichen Tätigkeit

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • Personen mit akuten, behandlungsbedürftigen Krankheiten
  • Personen, die eine Unverträglichkeit bei einer vorangegangenen Impfung mit dem betreffenden Impfstoff zeigten
  • Allergie gegen Impfstoffbestandteile (siehe Zusätze des Herstellers)
  • Schwangere sollten nur in Ausnahmefällen, wenn die Exposition als sehr groß angesehen wird, gegen Poliomyelitis geimpft werden.

Durchführung

  • Heute wird nur noch die Impfung mit dem zu injizierenden inaktivierten Impfstoff (IPV) empfohlen.
  • Grundimmunisierung: Die ersten vier Impfungen finden im ersten Lebensjahr statt (erste Impfung im Alter von 2 Lebensmonaten, anschließend zwei weitere im 3*. und 4. Lebensmonat sowie die vierte Impfung im Alter von 11-14 Lebensmonaten); die Impfung im 3. Lebensmonat kann bei Anwendung eines monovalenten Impfstoffes entfallen
  • Nachholimpfung: Alter von 15-23 Monaten und 2-6 Jahren
  • Auffrischimpfungen für:
    • Kinder zwischen dem neuntem und 17. Lebensjahr (= letzte IPV-Auffrischimpfung)
    • Aussiedler, Flüchtlinge und Asylbewerber bei der Einreise aus Gebieten mit hohem Infektionsrisiko, die in Gemeinschaftsunterkünften leben
    • Berufsgruppen (wg. erhöhten beruflichen Risikos)
      • Personal in von Aussiedler, Flüchtlingen und Asylbewerbern bewohnten Unterkünften
      • Personal in Laboratorien mit Poliomyelitis-Risiko
      • Medizinisches Personal mit engem Kontakt zu Erkrankten
    • Reisende in Regionen mit hohem Infektionsrisiko wie beispielsweise Indien

Hinweis! Die früher durchgeführt Impfung mit einem Polio-Lebendimpfstoff (OPV), der oral auf einem Zuckerstückchen verabreicht wurde, wird wegen des geringen Risikos einer Vakzine-assoziierten paralytischen Poliomyelitis nicht mehr empfohlen.

Wirksamkeit

  • Zuverlässige Wirksamkeit gegen alle 3 Typen
  • Impfschutz nach kompletter Immunisierung für mindestens 10 Jahre
  • Impfschutz bei Immunschwäche fraglich, ggf. Antikörper-Bestimmung 

Mögliche Nebenwirkungen/ Impfreaktionen

  • Lokale Reaktionen möglich

Weitere Hinweise

  • Die Polioimpfung wird in 155 Ländern – im Gegensatz zu Deutschland (inaktivierte Viren) – mit einem abgeschwächten Lebend­impfstoff durchgeführt. Dieser wurde im Jahre 2016 (April) vom trivalenten auf einen bivalenten Impfstoff (Serotypen 2 und 3) umgestellt, was das Auftreten von Polioerkrankungen durch mutierte Impfstoffviren (circulating vaccine-derived polioviruses, cVDPV) eindämmen soll.

Impfstatus – Kontrolle von Impftitern

Impfung Laborparameter Wert Bewertung
Poliomyelitis
(Kinderlähmung)
Polio-Neutralisationstest Typ 1 Wenn alle drei Neutralisationstests  1 : 16 oder höher sind, ist eine Immunität gegen alle drei Poliomyelitis-Virus-Typen (Typ 1, 2, 3) vorhanden (= ausreichender Immunschutz)
Typ 2
Typ 3

     
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