Gürtelrose (Herpes zoster) – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Verkürzung der symptomatischen Phase
  • Vermeidung von Komplikationen

Therapieempfehlungen

  • Antivirale Therapie: so rasch wie möglich: Virostase (Hemmung der Virusvermehrung) 
    Beachte: Eine antivirale Therapie innerhalb von 72 Stunden nach Aufschließen der Bläschen reduziert auch das Risiko der Postzosterneuralgie (anhaltende Nervenschmerzen nach einer Gürtelrose).
    Erstlinientherapie:
    • Patienten < 50 Jahre + begrenzte Befunde am Stamm und den Extremitäten: Virostatikum (Aciclovir, Brivudin, Valaciclovir und Famciclovir) → orale Therapie
    • Zoster generalisatus (am ganzen Körper ausgebreitete Gürtelrose), ZNS-Beteiligung (Beteiligung des zentralen Nervensystems) (z. B. Herpes-Enzephalitis (durch Herpesviren verursachte Gehirnentzündung)), Zoster ophthalmicus (Gürtelrose im Augenbereich) oder oticus (Gürtelrose im Ohrbereich), Vaskulopathie (Gefäßerkrankung) sowie bei immunsupprimierten Patienten (Patienten mit unterdrückter körpereigener Abwehr): → systemische Therapie (intravenöse Gabe): Aciclovir
  • Rezidivprophylaxe (Vorbeugung eines erneuten Auftretens) bei Herpes zoster ophthalmicus: Bei immunkompetenten Erwachsenen (Erwachsenen mit funktionsfähiger körpereigener Abwehr) mit Keratitis (Hornhautentzündung) oder Iritis (Entzündung der Regenbogenhaut) und ausreichender Nierenfunktion kann Valaciclovir 1.000 mg p.o. einmal täglich für 12 Monate erwogen werden. Eine explorative Post-hoc-Analyse deutet auf den größten Nutzen während der ersten 6 Monate hin; sie belegt jedoch nicht, dass eine 6-monatige Therapie ausreicht [7, 8].
  • Topische Therapie (örtliche Behandlung):
    • Lokaltherapie: Lotio alba (flüssige Suspension, die unter anderem Zinkoxid und Talk enthält)
    • Topische Virustatika (Augensalbe) bei viraler epithelialer Keratitis
  • Analgesie (Schmerzlinderung) der neuropathischen Schmerzen (durch eine Nervenschädigung verursachte Schmerzen) gemäß WHO Stufenschema:
    • Nicht-Opioidanalgetikum bei geringer Schmerzintensität: Metamizol, Paracetamol oder nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen 
    • Niederpotentes Opioidanalgetikum bei mittlerer Schmerzintensität: z. B. Tramadol + Nicht-Opioidanalgetikum
    • Hochpotentes Opioidanalgetikum bei starker Schmerzintensität: z. B. Morphin + Nicht-Opioidanalgetikum
    • Bei neuropathischen Schmerzen wird die zusätzliche Therapie mit Gabapentin oder Pregabalin empfohlen (in aufsteigender Dosierung)
      Beachte: Beim Absetzen von Gabapentin oder Pregabalin ist schrittweise vorzugehen über sieben Tage, um epileptische Entzugsanfälle (durch das Absetzen ausgelöste Krampfanfälle) zu vermeiden.
    • Antidepressivum Amitriptylin unterdrückt brennende Spontanschmerzen sowie einschießende Schmerzattacken und evozierte Schmerzen (durch Reize ausgelöste Schmerzen).
    • Therapiedauer: akute Zoster-Erkrankung 2-4 Wochen 
    Beachte: Ca. 10-50 % der Zosterpatienten haben eine anhaltende Schmerzsymptomatik, und es entwickelt sich eine Postherpetische Neuralgie (anhaltender Nervenschmerz nach einer Gürtelrose) (PHN; Synonyme: postzosterische Neuropathie (Nervenschädigung nach einer Gürtelrose); Postzosterneuralgie, PZN; s. u. "Herpes zoster/Folgeerkrankungen).
  • Bakterielle Superinfektion (zusätzliche bakterielle Infektion): Antibiotika
  • Postherpetische Neuralgie (PHN; Synonyme: postzosterische Neuropathie; Postzosterneuralgie, PZN); 90 Tage nach Einsetzen des Hautausschlags wird von postherpetischer Neuralgie (PHN) gesprochen.
    • Schmerztherapie gemäß WHO-Stufenschema:
      • Nicht-Opioidanalgetikum:  z. B. Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Diclofenac und Paracetamol; ggf. Metamizol (4-mal 1 g täglich)/Cave: Agranulozytose (hochgradige Verminderung bestimmter weißer Blutkörperchen) 
      • Niederpotentes Opioidanalgetikum (z. B. Tramadol, Tilidin) + Nicht-Opioidanalgetikum
      • Hochpotentes Opioidanalgetikum (z. B. Morphin, Oxycodon) + Nicht-Opioidanalgetikum
    • Therapie der ersten Wahl:
      • Calciumkanal-modulierenden Antiepileptika (Medikamente gegen Krampfanfälle) Gabapentin oder Pregabalin und/oder – insb. bei einschießenden Schmerzen – Carbamazepin als Natriumkanal-modulierendes Antiepileptikum (= Schmerztherapie nach Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie).
        Gabapentin lindert laut einem Cochrane-Review neuropathische Schmerzen besser als ein Placebo – und zwar bei den Diagnosen schmerzhafte diabetische Neuropathie (Nervenschädigung infolge einer Zuckerkrankheit) und postherpetische Neuralgie [5].
      • Ggf. trizyklische Antidepressiva (z. B. Amitriptylin), ggf. selektive Serotonin-(Noradrenalin-) Wiederaufnahmehemmer (SSRI/SNRI) wie Duloxetin 
    • Topische Therapie: Capsaicin-Hochdosispflaster (8%ig); Wirkung: selektive Defunktionalisierung TRPV1-exprimierender nozizeptiver Nervenfasern (schmerzleitender Nervenfasern); führt so zur Schmerzlinderung [4]
      Zur Behandlung von Gesicht und Kopf nicht zugelassen. Gaul und Resch beschreiben aber Anwendungen an Gesicht und Kopf als sicher [3].
  • Eine Schutzimpfung (Standard- und Indikationsimpfung) gegen das Varizella zoster-Virus (VZV) ist verfügbar (= Herpes zoster-Impfung).

Wirkstoffe (Hauptindikation)

Virostatika

Wirkstoffe Therapiedauer Besonderheiten
Aciclovir 7-10-14 d

Therapie der ersten Wahl

Indikationen: Zoster generalisatus, ZNS-Beteiligung (z. B. Herpes-Enzephalitis), Zoster ophthalmicus oder oticus, Vaskulopathie sowie bei immunsupprimierten Patienten

Oral schlechte Bioverfügbarkeit

Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion
(Clearance < 50 ml/min)

Aciclovir 7 d

Therapie der ersten Wahl

Weitere Indikationen:

  • Zoster ophthalmicus
  • Schwangere mit einer Zoster-Pneumonitis (durch das Gürtelrosevirus verursachte Lungenentzündung) (+ stationäre Aufnahme)
  • Patienten mit soliden Tumoren und hämatologischen Neoplasien (bösartigen Erkrankungen des blutbildenden Systems) (400 mg 3‑ bis 4‑mal/d ; ggf. auch  Aciclovir 500 mg 2‑ bis 3‑mal/d)

Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion 
(Clearance < 25 ml/min)

Brivudin 7 d Therapie der ersten Wahl/alternativ

Cave! Tödliche Interaktion: Brivudin und 5-Fluoropyrimidine [4]

Keine Dosisanpassungen erforderlich, da es sowohl renal als auch hepatisch ausgeschieden wird
Famciclovir 7 d

10 d bei Immunsuppression (Unterdrückung der körpereigenen Abwehr)
Therapie der zweiten Wahl

Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion 
(Clearance < 50 ml/min)
Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) 
Valaciclovir 7 d Therapie der zweiten Wahl

Auch bei Zoster ophthalmicus

Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion 
(Clearance < 50 ml/min)
  • Wirkweise: Kettenabbruch bei der Virus-DNA-Synthese
  • Indikationen: Patienten > 50 Jahre, Zoster im Kopf-Hals-Bereich, schwerer Zoster am Stamm/Extremitäten, immundefiziente Patienten (Patienten mit geschwächter körpereigener Abwehr), Personen mit schwerer Dermatitis atopica (Neurodermitis) oder ausgedehnten Ekzemen (entzündlichen Hautveränderungen); relativ: Zoster am Stamm/Extremitäten bei Personen < 50 Jahre
  • Nebenwirkungen: nephrotoxisch (nierenschädigend), allergisches Exanthem (allergischer Hautausschlag), gastrointestinal (Übelkeit, Magenschmerzen), Schläfrigkeit, Schwindel
  • Hinweis: Brivudin und Famciclovir sind in Bezug auf Symptomenminderung und Vermeidung der postherpetischen Neuralgie (PHN) gleich wirksam [2].

Antibiotika bei bakterieller Superinfektion

Wirkstoffgruppe Wirkstoffe Besonderheiten
Aminopenicillin +
ß-Laktamasehemmer
Amoxicillin +
Clavulansäure
Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz
KI bei schwerer Leberinsuffizienz (Leberschwäche)
Cephalosporine Cefpodoxim-Proxetil Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz 
  • Wirkweise Acylaminopenicillin+ß-Laktamase-Inhibitor: bakterizid auf proliferierende Keime
  • Wirkspektrum: Streptokokken, Enterococcus faecalis, -faecium, Staphylococcus epidermidis, Neisserien, Haemophilus influenzae, E. coli, Klebsiellen, Salmonellen, Shigellen, Proteus, Morganella, Aeromonas, Clostridien, Peptostreptokokken
  • Nebenwirkungen: allergische Reaktion, gastrointestinal (Übelkeit), Thrombozytenfunktionsstörungen (Störungen der Blutplättchenfunktion)
  • Wirkweise Cephalosporine: bakterizid auf proliferierende Keime
  • Wirkspektrum: Gonokokken, Meningokokken, E. coli, Salmonellen, Klebsiellen, Proteus, Haemophilus influenzae, A-Streptokokken, Pneumokokken, Borrelien, Pseudomonas
  • Nebenwirkungen: allergische Reaktion, gastrointestinal (Übelkeit), erhöhte Blutungsneigung
  • Bei Immunsuppression

Weitere Hinweise

  • Bei Zoster oticus hoch dosierte Virostatika in Kombination mit Corticosteroiden (Prednisolon 40 mg/d)

Therapie der Neuralgie (Nervenschmerzen)

Analgetika

Stufe Wirkstoffgruppe Wirkstoff Besonderheiten
1 Nichtsaure Analgetika Paracetamol Dosisanpassung bei Nieren-/
Leberinsuffizienz
  NSAR Ibuprofen

Cave: Patienten mit schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder solche, die bereits einen Myokardinfarkt (Herzinfarkt) oder Apoplex (Schlaganfall) erlitten haben, sollten Tagesdosierungen von 2.400 mg oder mehr meiden.
Ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko konnte bei Dosierungen bis zu 1.200 mg pro Tag nicht festgestellt werden
[1]. 

Dosisanpassung bei Nieren-/ Leberinsuffizienz

2 Opioide (Opioidanalgetika) Tramadol Dosisanpassung bei Nieren-/ Leberinsuffizienz
    Oxycodon
    Morphin retardiert
3   Buprenorphin
(BUP)

*Transdermales therapeutisches System

  • Wirkweise nichtsaure Analgetika: reversible Hemmung der Cyclooxygenase → analgetisch, antipyretisch, jedoch nicht antiphlogistisch
  • Nebenwirkungen: hepato-/ nephrotoxisch, selten gastrointestinal (Übelkeit, Erbrechen), allergische Reaktionen
  • Wirkweise NSAR: Hemmung der Cyclooxygenase
  • Nebenwirkungen: gastrointestinal (Übelkeit, Erbrechen, Ulzera (Geschwüre)), Kopfschmerzen, Schwindel, selten Leber-/Nierenfunktionsstörungen, Wasserretention (Wassereinlagerung)
  • Wirkweise Opioide: Wirkung an den Opioidrezeptoren μ, κ, δ
  • Nebenwirkungen: Muskelrigidität (Muskelsteifigkeit), Toleranz, Magenentleerungsstörungen, Übelkeit/Erbrechen, Obstipation (Verstopfung), Miktionsbeschwerden (Beschwerden beim Wasserlassen)
    Trias der Opioid-Intoxikation: Atemdepression (Abflachung der Atmung), Miosis (Verengung der Pupillen), Koma (tiefe Bewusstlosigkeit)
  • → in den ersten Tagen v. a. Übelkeit und Müdigkeit; später dominiert die Obstipation
  • Die Kombination mit Nicht-Opioidanalgetika senkt den Opioidverbrauch um circa 30 %

Topische Medikamente

Wirkstoffe
Besonderheiten
Capsaicin-Hochdosispflaster* Einmalige Behandlung, nachfolgend 90-tägige Behandlungspause

Zur Behandlung von Gesicht und Kopf nicht zugelassen. Gaul und Resch beschreiben aber Anwendungen an Gesicht und Kopf als sicher [3].
Capsaicin-Salbe 2- bis 4-mal täglich für 4-6 Wochen  
Lidocain-Pflaster 12 h Behandlungspause

* Wirkung: selektive Defunktionalisierung TRPV1-exprimierender nozizeptiver Nervenfasern; führt so zur Schmerzlinderung [4]


Antidepressiva

Wirkstoffgruppe      Wirkstoffe Besonderheiten
Trizyklische Antidepressiva   Amitriptylin Beachte: analgetische Wirkung setzt in der Regel erst nach 2 bis 4 Wochen Therapie ein


Dosisanpassung bei Nieren-/ Leberinsuffizienz
KI bei schwerer Nieren-/ Leberinsuffizienz
Desipramin Dosisanpassung bei Nieren-/ Leberinsuffizienz
KI bei schwerer Leberinsuffizienz
Nortriptylin Dosisanpassung bei Nieren-/ Leberinsuffizienz
Selektive Serotonin-(Noradrenalin-) Wiederaufnahmehemmer (SSRI/SNRI) Duloxetin  Off-Label-Use

KI bei Leber-/ schwerer Niereninsuffizienz
Tetrazyklische Antidepressiva Maprotilin Dosisanpassung bei Nieren-/ Leberinsuffizienz
KI bei schwerer Nieren-/ Leberinsuffizienz
  • Wirkweise trizyklische Antidepressiva: Monoamin-Reuptake-Inhibitor; langfristig Veränderung zentralvenöser Rezeptoren
  • Nebenwirkungen: anticholinerg, kardiotoxisch, Hypotonie (niedriger Blutdruck), Sedierung (Dämpfung), Schlafstörungen, gastrointestinal (Übelkeit, Erbrechen), Transaminasen ↑ (Alanin-Aminotransferase (ALT, GPT), Aspartat-Aminotransferase (AST, GOT), Gamma-Glutamyl-Transferase (γ-GT, Gamma-GT; GGT)), Gewichtszunahme, sexuelle Funktionsstörungen
  • Wirkweise selektive Serotonin-(Noradrenalin-) Wiederaufnahmehemmer (SSRI/SNRI): Serotonin-/Noradrenalin-Reuptake-Inhibitoren
  • Nebenwirkungen: gastrointestinal (Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe), Alopecia (Haarausfall), Blutungsneigung in Verbindung mit der Gabe von nichtsteroidalen Antirheumatika, erhöhtes Frakturrisiko (Risiko für Knochenbrüche), erhebliche Zunahme von motorischer Unruhe und von Angst und Agitiertheit (gesteigerter Unruhe), hämatoxisch, hepatotoxisch, Hyperprolaktinämie (erhöhter Prolaktinspiegel), Hyponatriämie (Natriummangel) v. a. bei älteren Patienten (SIADH/Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion/antidiuretischen Hormons), Hypotonie, Körpergewichtszunahme, Mundtrockenheit, Müdigkeit, Osteoporose (Knochenschwund), Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, Suizidgedanken, Tremor (Zittern)
    Cave:
    Serotonin-Syndrom (krankhafte Anreicherung von Serotonin) (Verwirrtheit, Delir (akuter Verwirrtheitszustand), Zittern/Frösteln, Schwitzen, Veränderungen des Blutdrucks, Myoklonus (unwillkürliche Muskelzuckungen) und Mydriasis (Erweiterung der Pupillen))
  • Wirkweise tetrazyklische Antidepressiva:  blockieren zentrale Alpha-Rezeptoren
    → Freisetzung von Noradrenalin ↑ → stimmungsaufhellend, sedierend
  • Dosierungshinweise: Langsame Dosissteigerung
  • Nebenwirkungen: anticholinerg, Sedierung, Hypotonie, Gewichtszunahme

Antiepileptika

Wirkstoffe Besonderheiten
Gabapentin Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz
Pregabalin Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz
Carbamazepin  Dosisanpassung bei Nieren-/ Leberinsuffizienz
CAVE: Serumspiegel
  • Wirkweise Gabapentin: Hemmung spannungsabhängiger Ca 2+-Kanäle vom L-Typ, Aktivierung der Glutamatdecarboxylase
  • Dosierungshinweise: langsame Aufdosierung sowie ein Ausschleichen der Medikamente ist erforderlich
  • Nebenwirkungen: ZNS toxische und gastrointestinale Nebenwirkungen, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, gastrointestinal, Überempfindlichkeitsreaktionen, Leukopenie (Verminderung der weißen Blutkörperchen), Thrombopenie (Verminderung der Blutplättchen), hepatotoxisch (Hepatitis (Leberentzündung), Leberwerterhöhung)
  • Gabapentin lindert laut einem Cochrane-Review neuropathische Schmerzen besser als ein Placebo – und zwar bei den Diagnosen schmerzhafte diabetische Neuropathie und postherpetische Neuralgie [5].
  • Wirkweise Pregnabalin: Verstärkung neuronaler Hemmung = Verstärkung GABA-erger Mechanismen, Hemmung neuronaler Erregung und Hemmung der Carboanhydrase im ZNS. Sie bewirkt eine Übersäuerung der Neurone = neuronale Erregungshemmung.
  • Nebenwirkungen: gastrointestinale Nebenwirkungen; Diplopie (Doppeltsehen), Verschwommensehen; Arthralgie (Gelenkschmerzen), Ataxie (Störung der Bewegungskoordination), Dysarthrie (Sprechstörung), Extremitätenschmerzen, Gangstörungen, Koordinationsstörungen, Muskelkrämpfe, Rückenschmerzen, Stürze, Tremor; Benommenheit, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit; erektile Dysfunktion, Libidoabnahme

  • Wirkweise Carbamazepin: Natriumkanal-modulierendes Antiepileptikum
  • Nebenwirkungen: gastrointestinale Nebenwirkungen; Blutbildveränderung (Eosinophilie, Leukopenie, Leukozytose, Thrombozytopenie); AV-Block (Störung der Erregungsleitung zwischen Herzvorhöfen und Herzkammern) (gelegentlich), Bradykardie (verlangsamter Herzschlag), Herzrhythmusstörungen, Hypotonie (bei hohen Dosen), Verschlechterung einer koronaren Herzkrankheit (Erkrankung der Herzkranzgefäße) (bes. bei älteren Patienten mit bekannten Herzfunktionsstörungen); periphere Neuritis (Entzündung außerhalb des Gehirns und Rückenmarks gelegener Nerven), Polyneuropathie (Schädigung mehrerer Nerven); aggressives Verhalten, Antriebsverminderung, Ataxie (sehr häufig), Depression, Halluzinationen (akustisch/visuell), Kopfschmerzen, Phobien, Psychoseaktivierung, Schläfrigkeit, Schwindel, Sedierung, Sprachstörungen; Impotenz, Libidoverminderung; Harnbeschwerden (Dysurie (erschwertes oder schmerzhaftes Wasserlassen), Harnretention (Unfähigkeit, die Harnblase vollständig zu entleeren), Pollakisurie (häufiges Wasserlassen kleiner Mengen)), Nierenfunktionsstörungen (bes. Hämaturie (Blut im Urin), Oligurie (verminderte Urinmenge), Proteinurie (Eiweiß im Urin))

Weitere Therapieoptionen

Wirkstoffgruppe Wirkstoffe Besonderheiten
NMDA-Antagonisten Amantadin Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz
Zentral-wirksame Muskelrelaxantien Baclofen Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz
KI bei schwerer Niereninsuffizienz
  • Wirkweise Lidocain: Lokalanästhetika (Mittel zur örtlichen Betäubung) blockieren Natriumkanäle, die die Schmerzweiterleitung unterbinden
  • Dosierungshinweise: Die Wirkstoffe werden entweder subkutan oder intramuskulär appliziert
  • Nebenwirkungen bei zu hohem Blutspiegel: Zunge/Lippe taub, metallischer Geschmack, Seh-/Hörstörungen, verwaschene Sprache, Schwindel, kardiale Depression (Verminderung der Herzleistung), Hypotonie, Bradykardie, allergische Reaktionen
  • Die Wirkung bei intraartikulärer Injektion ist nicht gesichert
  • Wirkweise NMDA-Antagonisten: Glutamat(NMDA)-Rezeptor-Antagonist
  • Nebenwirkungen: gastrointestinal (Übelkeit, Diarrhoe), orthostatische Dysregulation (Kreislaufstörung beim Aufstehen), neurotoxisch (nervenschädigend)

Maßnahmen in der Schwangerschaft

  • VZV-Exposition (Kontakt mit dem Varizella-zoster-Virus) einer Schwangeren mit unbekanntem Immunstatus (Zustand der körpereigenen Abwehr)
    • Alle ungeimpften Schwangeren ohne Varizellenanamnese (bekannte frühere Windpockenerkrankung) innerhalb von 3 Tagen und maximal bis zu 10 Tagen nach Exposition Gabe von Varizella-Zoster-Immunglobulin (VZIG) bei negativem bzw. grenzwertigem Anti-VZV-IgG.
      Alternativ zur VZIG: Aciclovir im Sinne einer Expositionsprophylaxe (Vorbeugung nach Kontakt mit dem Erreger) nach Ende der 14. SSW [2].
    • Benachrichtigung des Neonatologen (Facharztes für Neugeborenenmedizin) zur Koordination von Immunglobulingaben und Vakzinierung
  • Schwangere mit einer Zoster-Pneumonitis (Therapie mit Aciclovir: s. o.) 

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für das Immunsystem sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Spurenelemente (Chrom, Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Flavonoide (Citrusfrüchte), Lycopin (Tomaten), Proanthocyanidine (Cranberrys), Polyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (Probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Literatur

  1. PRAC recommends updating advice on use of high-dose ibuprofen (English only) 13/04/2015 
  2. Wassilew S, Collaborative Brivudin PHN Study Group: Brivudin compared with famciclovir in the treatment of herpes zoster: effects in acute disease and chronic pain in immunocompetent patients. A randomized, double-blind, multinational study. J Eur Acad Dermatol Venereol 2015; 19:47-55
  3. Gaul C, Resch S: Application of the capsaicin 8 % cutaneous patch in neuropathic pain of the head and face: a case series. Cephalalgia 35:545-550 doi: 10.1177/0333102414550107
  4. Laklouk M, Baranidharan G: Profile of the capsaicin 8 % patch for the management of neuropathic pain associated with postherpetic neuralgia: safety, efficacy, and patient acceptability. Patient Prefer Adherence 2016;10:1913-1918 doi: 10.2147/PPA.S76506
  5. Moore A et al.: Gabapentin for Chronic Neuropathic Pain. JAMA. 2018;319(8):818-819. doi:10.1001/jama.2017.21547
  6. AkdÄ Drug Safety Mail: Information zu Brivudin und 5-Fluoropyrimidinen: Potenziell tödliche Interaktion 11-2019
  7. Cohen EJ et al.: Low-Dose Valacyclovir in Herpes Zoster Ophthalmicus: The Zoster Eye Disease Randomized Clinical Trial. JAMA Ophthalmol. 2025;143(4):269-276. doi: 10.1001/jamaophthalmol.2024.6114
  8. Warner DB et al.: Time-Varying Effects of Valacyclovir Prophylaxis in the Zoster Eye Disease Study: A Post Hoc Exploratory Analysis of a Randomized Clinical Trial. JAMA Ophthalmol. Published online August 13, 2026. doi: 10.1001/jamaophthalmol.2026.3202