Homocystein entsteht beim Abbau der essentiellen Aminosäure Methionin und wird beim Gesunden sofort weiter umgewandelt, so dass es nur in geringen Mengen im Körper vorhanden ist: Der Metabolismus (Stoffwechsel) des Homocysteins, das eine vermittelnde Rolle im Stoffwechsel der schwefelhaltigen Aminosäuren spielt, liefert ein Beispiel für positive Wechselspiele von Vitalstoffen untereinander, um physiologische Funktionen und damit die Gesundheit zu erhalten beziehungsweise zu optimieren.
Gesunde können Homocystein auf zwei Wegen umwandeln
- Synthese des Methionins durch Methylierung aus Homocystein mit Hilfe eines Folat-Coenzyms – Tetrahydrofolsäure – und eines Vitamin B12-abhängigen Enzyms -Methylcobalamin
- Umwandlung von Homocystein in eine andere Aminosäure – Cystein – mit Hilfe eines Vitamin B6-abhängigen Enzyms
Die Menge des Homocysteins im Blut wird folglich durch drei Vitamine reguliert
Durch erhöhte Homocystein-Spiegel – Homocysteinämie oder Hyperhomocysteinämie –
kommt es zu einer Schädigung der inneren Gefäßwände (Endothel) und zur Inaktivierung des so genannten Protein C, welches die Blutgerinnung hemmt.
Gleichzeitig kommt es zu einer Aktivierung des Faktor V der Blutgerinnung, was diese fördert. Eine Hyperhomocysteinämie ist ein unabhängiger Risikofaktor für Gefäßerkrankungen.
Eine Homocysteinämie führt so zu einem erhöhten Atherosklerose (Arterienverkalkung) und Thromboserisiko mit der möglichen Folge von kardiovaskulären Ereignissen – in erster Linie als Herzinfarkt (Myokardinfarkt), Schlaganfall (Apoplex) – oder periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK).
Neue Forschungsergebnisse weisen zudem darauf hin, dass eine Hyperhomocysteinämie ein unabhängiger Risikofaktor für eine gefäßbedingte Demenz sowie für einen Morbus Alzheimer ist.
Ursachen
Eine Homocysteinämie kann unterschiedliche Ursachen haben
- Genetisch bedingt (angeboren)
- Erworben – bei Mangel an Vitamin B6 (Pyridoxin), Vitamin B12 (Cobalamin) und Folsäure
- Metabolisches Syndrom – Klinische Bezeichnung für die Symptomkombination Adipositas (Übergewicht), Hypertonie (Bluthochdruck), erhöhter Nüchternblutzucker (Insulinresistenz) und Fettstoffwechselstörung (erhöhte VLDL–Triglyzeride, erniedrigtes HDL-Cholesterin)
- Vitalstoffmangel wie beispielsweise Mangel an Vitamin B6, B12 oder Folsäure
- Diabetes mellitus
Das Verfahren
Die Homocystein-Konzentration kann mittels einer labordiagnostischen Untersuchung aus Ihrem Blutserum ermittelt werden.
Synonym
- Homocystin
Benötigtes Material
- Blutserum
Störfaktoren
- Die entnommene Blutprobe sollte schnell weiterverarbeitet werden, um keine Verluste in Bezug auf die Aussagefähigkeit der Werte zu haben
Normalwerte und pathologische Werte für Homocystein
- Bis 15 μ mol/l
- Bei leicht erhöhten Werten bis 30 μ mol/l handelt es sich meist um einen Vitalstoffmangel für die Vitamine B6, B12 und Folsäure
- Bei Werten zwischen 30 und 100 μ mol/l besteht der Verdacht auf eine heterozygote Homocysteinämie – angeborene Störung im Stoffwechsel des Homocyteins
- Bei Werten über 100 μ mol/l besteht der Verdacht auf eine homozygote Homocysteinämie – stärker ausgeprägte angeborene Störung
Diagnostik
Der Homocystein-Serumspiegel kann mittels Blutuntersuchung einfach bestimmt werden.
Gleichzeitig kann mittels genetischer Untersuchung festgestellt werden, ob die Erkrankung erworben oder genetisch (erblich) bedingt ist.
Die Homocystein-Bestimmung wird empfohlen beziehungsweise ist erforderlich bei folgenden Gesundheitsrisiken beziehungsweise Erkrankungen
- Patienten mit Atherosklerose oder arteriellen und/oder venösen Durchblutungsstörungen
- Patienten mit thromboembolischen Erkrankungen
- Vermuteter Mangel an Folsäure, Vitamin B6 oder Vitamin B12
- Diagnostik der Homocysteinämie bei Vorliegen von Gefäßerkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall etc.)
- Indikator eines erworbenen Folat – Folsäure – oder Vitamin B6- und B12-Mangels
- Verdacht auf Homocysteinurie – angeborene Stoffwechselstörung
- Diagnostik der Hyperhomocysteinämie präkonzeptionell – das heißt vor der Empfängnis –, das heißt Untersuchung im Rahmen der Familienplanung/Kinderwunsch, da eine Hyperhomocysteinämie ein Risikofaktor für Neuralrohrdefekte – Spina bifida (offener Rücken) etc. – ist.
Handelt es sich um eine erworbene Homocysteinämie, kann zusätzlich eine Bestimmung der Vitamine erfolgen
- Vitamin B6 (Pyridoxin)
- Vitamin B12 (Cobalamin)
- Folsäure
Laut eines von Experten verfassten Konsensuspapiers ist es möglich, durch Senkung des Homocystein-Spiegels etwa 25 Prozent der kardiovaskulären Ereignisse – Herzinfarkt oder Schlaganfall – zu vermeiden.
Steigt der Homocystein-Spiegel um nur 0,5 µmol/l, so erhöht sich das Risiko für einen Herzinfarkt um das 2,5-fache und die Gefahr für Schlaganfall und arterielle Verschlusskrankheit steigt sogar auf das 5-fache.
Der Homocystein-Wert, der einen notwendigen Behandlungsbedarf anzeigt, beginnt ab 10 µmol/l.
Im Alter steigt der Homocystein-Wert an, bei Männern bereits ab dem 45. Lebensjahr, bei Frauen etwas später.
Ihr Nutzen
Eine rechtzeitige Feststellung eines zu hohen Homocystein-Serumspiegels ermöglicht im Regelfall die Aufnahme einer gezielten Therapie und damit die Minderung Ihres Risikos für eine Atherosklerose.
Eine frühzeitige Vitalstoff-Therapie mit den Vitaminen B6, B12 und Folsäure kann somit Ihr Risiko für Herzinfarkt, arterielle Verschlusskrankheit, Schlaganfall, gefäßbedingte Demenz und Morbus Alzheimer reduzieren.













Arztsuche
Newsletter
Expertenrat
Ansprechpartner



