Pflanzenschutzmittel

Pestizide sind Pflanzenschutzmittel, die Pflanzen beziehungsweise -erzeugnisse vor Schadorganismen schützen sollen. Sie wirken so auch als Wachstumsregulatoren und vernichten unerwünschte Pflanzen oder -teile beziehungsweise hemmen deren unerwünschte Vermehrung. Der Sammelbegriff „Pestizide“ bezeichnet alle Pflanzenschutzmittel wie Insektizide, Fungizide, Akarizide (zur Bekämpfung von Milben) und Herbizide.

Fungizide werden zur Pilzabtötung eingesetzt, deren toxische Wirkung durch das Zusetzen von Schwermetallen erhöht wird.

Herbizide bewirken die Vernichtung von Unkraut und gefährden die Umwelt sehr, weil sie in sehr großen Mengen ausgebracht werden. Um Unkraut zu beseitigen, müssen die Herbizide eine überaus ätzende Wirkung haben. Die Chance, Nutzpflanzen ungeschädigt zu lassen ist damit sehr gering [1].

Insektizide stellen Nervengifte dar, die das Insekt schädigen soll. Die Insektizide sind gut fettlöslich und reichern sich im Körperfett an. Durch den Verzehr des Körperfetts von Tieren, nehmen die am Ende der Nahrungskette stehenden Lebewesen – so auch der Mensch – relativ viele dieser Substanzen auf und sind somit besonders hohen Dosen ausgesetzt. Innerhalb der Nahrungskette werden die Nahrungsmittel nämlich mehr und mehr durch ihren langen Weg vom Ackerboden bis hin zum Verbraucher mit Schadstoffen angereichert. Aufgrund ihres langsamen Abbaus sind Rückstände auch in pflanzlichen Lebensmitteln zu erwarten und stellen für den Menschen ein erhöhtes Risiko dar [3].

Die Aufnahme der Wirkstoffe der Insektizide erfolgt über die Atemwege, den Magen-Darm-Trakt oder durch Berührung. Es kann zu Reizungen der Haut und der Atemwege, zu Asthma, Kopfschmerzen, Nervenschäden – Krämpfe, Lähmungen, Koma –, Seh- und Gehstörungen, Herzrhythmusstörungen, Tumorerkrankungen, Erbgutschädigungen und zu Schäden an Leber und Nieren kommen [1].

Auf Grund von schlechten Bodenverhältnissen oder erhöhtem Schädlingsbefall werden Pflanzenschutzmittel überdosiert eingesetzt, um die Erträge möglichst hoch zu halten. Durch die unsachgemäße Anwendung von Pestiziden wird jedoch das Gegenteil erreicht. Durch die hohe Chemikalienzufuhr werden die Stoffwechselvorgänge der Pflanze gestört. Schwere Wachstums- und Funktionsstörungen der einzelnen Organe, Welkerscheinungen und Verfärbungen der Pflanze sind die Folgen. Solche Beeinträchtigungen wirken sich auch auf die in der Pflanze enthaltenen empfindlichen Nähr- und Vitalstoffe (Mikronährstoffe) aus. Die geschwächten Pflanzen fallen des Weiteren Krankheiten und Schädlingen schneller zum Opfer.

Die auf die Felder ausgebrachten Pflanzenbehandlungsmittel werden nur zum Teil von den Pflanzen aufgenommen. Teile dessen lassen sich in Bächen und Flüssen nachweisen, was zum Fischsterben – tote Flüsse – beiträgt. Die Pestizidrückstände im Boden gefährden das Trinkwasser. Bei zu starkem Regen kann der Erdboden die Flüssigkeit nicht mehr aufnehmen und es kommt zu Oberflächenabflüssen, die die Pestizide in die Gewässer spülen. Weitere Teile der Pflanzenschutzmittel werden von der frei lebenden Tierwelt aufgenommen, was zum Aussterben von Nützlingen führen kann [1].

Durch den übermäßigen Einsatz der Pestizide sind Rückstände in Nahrungsmitteln kaum vermeidbar und damit im verzehrfertigen Lebensmittel nachweisbar. Sie sind sowohl in pflanzlichen als auch in tierischen Lebensmitteln zu finden, denn die Pflanze nimmt die Schadstoffe über den Boden und die Tiere über die mit Pestiziden besprühten Pflanzen auf [1].
Nach dem Ergebnis der „Nationalen Berichterstattung Pflanzenschutzmittel“ für das Jahr 2003 hat im Vergleich zu den Vorjahren der Anteil der mit Rückständen belasteten Nahrungsmittel zugenommen [2]. Demnach konnten im Jahr 2003 in 57,1 % der untersuchten Proben – darunter Obst, Gemüse und Getreide – Rückstände von Pflanzenschutzmittel nachgewiesen werden. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen Anstieg um 5,2 %. Unter den Obst- und Gemüsesorten waren Salat, Paprika, Birnen, Pfirsiche und Tafeltrauben am stärksten belastet. Fleisch, Fleischerzeugnisse, Milchprodukte und Grundnahrungsmittel wie Getreide und Kartoffeln, wiesen hingegen nur geringfügige Mengen an Pestizidrückständen auf [2].
Neben der unsachgemäßen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln könnte auch die Zunahme des weltweiten Handels mit Obst, Gemüse, Getreide und Lebensmittel tierischer Herkunft für den Anstieg der belasteten Lebensmittel verantwortlich sein [2].

Ergebnisse aus der Bundesrepublik Deutschland
Die folgende Tabelle enthält die Ergebnisse von Untersuchungen, die im Jahr 2003 an Lebensmitteln tierischen Ursprungs, frischem und gefrorenen Obst, Gemüse und Getreide durchgeführt wurden – einschließlich die Ergebnisse des auf die Richtlinien 86/362/EWG und 90/642/EWG gestützten koordinierten Kontrollprogramms der Europäischen Gemeinschaft (KÜP) zur Sicherung der Einhaltung der Rückstandshöchstgehalte von Schädlingsbekämpfungsmittel auf und in Getreide und bestimmten anderen Erzeugnissen pflanzlichen Ursprungs [2].

Es wurden alle Daten aus dem Beprobungszeitraum vom 01.01.2003 bis 31.12.2003 berücksichtigt [2].

Richtlinie
und
Lebensmittel
Proben
gesamt
Proben ohne
Rückstände
(nicht
bestimmbar)
Proben mit
Rückständen
bis einschließlich
der  Höchstmenge
Proben mit Rückständen über der
Höchstmenge
86/362/EWG -
Getreide
666 448 (67,27 %) 211 (31,68 %) 7 (1,05 %)
86/362/EWG -
Lebensmittel
tierischen
Ursprungs
2116 847 (40,03 %) 1237 (58,46 %) 32 (1,51 %)
90/642/EWG -
Erzeugnisse
pflanzlichen
Ursprungs,
einschließlich
Obst und
Gemüse
9920 4072 (41,05 %) 4997 (50,37 %) 851 (8,58 %)
Verarbeitet
Lebensmittel
(Apfelsaft,
Orangensaft,
Kleinkinder-
nahrung)
172 1 53 (88,95 %) 19 (11,05 %) 0 (0 %)

Rückstände von Pestiziden beeinträchtigen die Nahrungsmittelqualität und belasten und schädigen unseren Organismus. Erscheinungen wie Unwohlsein, Müdigkeit, Gereiztheit, Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen, Gelenks- und Muskelbeschwerden bis hin zu chronischen, zum Teil nicht behandelbaren bzw. nur schwer behandelbaren Krankheiten wie Atherosklerose (Arteriosklerose, Arterienverkalkung), Tumorerkrankungen und Lungenkrankheiten können die Folge sein [1].

Literatur

  1. Anemueller H: Lebensmittelkunde und Lebensmittelqualität in der Ernährungsberatung. Hippokrates Verlag; Stuttgart 1993
  2. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Nationale Berichterstattung „Pflanzenschutzmittel-Rückstände“ 2003. BVL,2018
  3. Kasper H: Ernährungsmedizin und Diätetik. Kapitel 22.3. Urban & Fischer Verlag; München/Jena 2000
     
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