Eine wesentliche Voraussetzung für allergische Reaktionen ist die genetische Disposition.
- Das Risiko der Ausprägung allergischer Symptome liegt bei 5-15 %, wenn kein Elternteil Atopiker ist
- Das Risiko der Ausbildung einer Allergie liegt bei 20-40 %, wenn ein Elternteil eine Veranlagung auf Allergien aufweist
- Das Risiko der Ausprägung allergischer Symptome liegt bei 40-60 %, wenn beide Elternteile an einer atopischen Erkrankung leiden
- Das Risiko der Ausprägung allergischer Symptome steigt auf 60-80 %, wenn bei beiden Eltern die gleiche allergische Manifestation vorliegt [2]
„IgE-mediierte allergische Lebensmittelhypersensitivität – Lebensmittelallergie“
Bei allergischen Lebensmittelunverträglichkeiten, die durch spezifische Immunglobuline E (IgE)-Antikörper vermittelt werden, sieht das Immunsystem die in den Nahrungsmitteln enthaltenden Proteine beziehungsweise Protein-Spaltprodukte (Allergene) als Fremdkörper an und bildet infolge dessen Antikörper (Sensibilisierung) [1,3]. IgE-Antikörper werden auf der Oberfläche von Mastzellen und basophilen weißen Blutkörperchen (Leukozyten) gebunden.
Eine erneute Zufuhr des spezifischen Antigens führt zu einer Antigen-Antikörper-Reaktion und damit zur Aktivierung der basophilen Leukozyten und Mastzellen. In der Folge werden vermehrt Mediatoren, wie Histamine, aus den Mastzellen freigesetzt, die zu den typisch klinischen Symptomen einer Soforttyp- beziehungsweise Typ-1-Reaktion führen. Die Beschwerden treten in den meisten Fällen innerhalb von etwa 30 Minuten, manchmal auch nach wenigen Minuten bis zu 2 Stunden, nach Allergenkontakt auf [1, 6, 7]. Im Anschluss kommt es zu einer zweiten Phase der Reaktion, die nach 4 bis 6 Stunden nach dem Allergenkontakt ihr Maximum erreicht [6, 7].
Wesentliche Faktoren, die die orale Sensibilisierung mit einer allergischen Soforttyp-Reaktion beeinflussen
- Genetische Prädisposition des Individuums
- Menge und Potenz des Allergens
- Gestörte Funktion der gastro-intestinalen Schleimhautbarriere
- Lebensalter
Nicht IgE-mediierte allergische Lebensmittelhypersensitivität
Lebensmittelallergien können – im Gegensatz zu IgE-Antikörper – selten durch spezielle Immunzellen vermittelt werden. Bei der so genannten Typ-4-Reaktion tritt die Immunreaktion – T-Lymphozyten reagieren mit dem Allergen – verzögert auf [3]. Das erklärt, weshalb bei einigen Betroffenen sich die Symptome erst einige Stunden bis drei Tage nach dem Verzehr des allergieauslösenden Nahrungsmittels zeigen [1, 3].
Der Entstehungsmechanismus der nicht IgE-Antikörper-vermittelten Hypersensitivitäten ist derzeit noch unbekannt. Mit Hilfe von Untersuchungen bei Kindern mit Neurodermitis beziehungsweise atopischen Ekzem konnte jedoch gezeigt werden, dass möglicherweise eine Kombination von IgE- und T-zellenvermittelten Reaktionen für den Pathomechanismus von Bedeutung ist [5].
Beispielsweise stellt das allergische Kontaktekzem eine T-Lymphozyten mediierte Erkrankung dar. Die T-Lymphozyten reagieren hierbei als Hapten-Protein-Komplex mit niedermolekularen Substanzen, wie Nickel oder Chrom. Bei Personen, die schon länger und sehr stark mit Nickel sensibilisiert sind, kann – in Abhängigkeit von der Dosis – die orale Zufuhr dieses klassischen Allergens mit der Nahrung zu einem hämatogenen Kontaktekzem führen [4, 8].
Literatur
- Biesalski H. K., Fürst P., Kasper H., Kluthe R., Pölert W.,
Puchstein Ch., Stähelin H., B.
Ernährungsmedizin. Kapitel 34, 468-473
Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1999 - Exner H., Greinecker G.
Allergieprävention.
Wien Med Wschr 146, 406-411, 1996 - Gell P.G.H., Coombs R.R.A.
Clinical aspects of immunology, 2nd ed.
Oxford: Blackwell 1968 - Häberle M.
Nickelallergie - Indikation und Durchführung einer nickelarmen Diät.
Ernährungs-Umschau 1987; 34: 48-52 - Isolauri E., Turjanmaa K.
Combined skin prick and patch testing enhances indentification of food allergy in infants with atopic dermatitis.
J Allergy Clin Immunol 1996; 97: 9-15 - Jäger L., Wüthrich B.
Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen.
Urban & Fischer, 2. überarb. Aufl. 2002 - Niggemann B., Sielaff B., Beyer K. et al
Outcome of double-blind, placebo-controlled food challenge tests in 107 children with atopic dermatitis.
Clin Exp Allergy 1999; 29: 91-96 - Umweltbundesamt
Nickel. Stellungnahme der Kommission „Human-Biomonitoring“ des Umweltbundesamtes.
Bundesgesundhbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz 2001; 44: 1243-1248 - Zunft H.-J.
Nahrungsmittelunverträglichkeit. Teil 3: Lebensmittel als Allergieauslöser.
Ernährungsforschung 36, 39-42, 1991b












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