Die Pseudoallergie ist in die Gruppe der „nicht allergischen beziehungsweise nicht immunologischen Hypersensitivitäten“ einzuordnen, da keine immunologischen Mechanismen nachweisbar sind [4]. Zur Gruppe der Pseudoallergien gehören pharmakologische Intoleranzen und Intoleranzen auf Lebensmittelzusatzstoffe.
Pseudoallergische Reaktionen beruhen auf einer Disposition der erkrankten Person, das heißt auf einer angeborenen oder erworbenen Fehlleistung der Abwehrmechanismen oder der Zielzellen beziehungsweise Zielorgane [5]. Für die Exposition des genetischen Effekts sind insbesondere Umweltfaktoren (wahrscheinlich anhaltende Virusinfektionen) von wesentlicher Bedeutung [2].
Ähnlich wie bei der echten Allergie werden vermehrt Mediatoren, wie Histamine, aus den Mastzellen ausgeschüttet, die zu allergie-ähnlichen Symptomen und Krankheitsverläufen führen [1, 8]. Bei der Pseudoallergie sind es bestimmte, in den Lebensmitteln enthaltene Botenstoffe, die eine Histaminausschüttung auslösen.
Neben den Symptomen einer Allergie – systematische Anaphylaxie, Urtikaria, Angioödem, Kreislaufreaktionen, Verdauungsstörungen, Fieber – leiden Patienten mit einer Pseudoallergie an nicht-allergischem Asthma bronchiale und Polyposis nasi (gutartige Wucherungen der Nasenschleimhaut, Nasenpolypen) [8].
Im Gegensatz zur echten Allergie, kann es schon beim Erstkontakt mit dem Nahrungsmittel in Abhängigkeit von der Dosis zu einer Reaktion kommen. Eine vorhergehende Sensibilisierung ist nicht nötig. Häufig kommt es bei einer Pseudoallergie auch zu Additionseffekten nach körperlicher Anstrengung und psychischem Stress.
Wird auf die spezifischen Nahrungsbestandteile völlig verzichtet, verschwinden die Symptome wieder, ohne Organschäden zu hinterlassen [1].
Patienten mit einer Pseudoallergie reagieren auf
Parmakologische Wirkstoffe
- Nahrungsmittel mit einem hohen Gehalt an vaso- oder psychoaktiven biogenen Aminen (natürlicherweise in Lebensmitteln vorkommende Aroma- und Geschmacksstoffe, wie Tyramin, Serotonin, Histamin, Synephrin, Feruloylputrescin, Putrescin, Cadaverin, Spermidin, Spermin) [3, 7]
- Nahrungsmittel, die zu einer verstärkten Histaminfreisetzung führen (wie Erdbeeren, Schokolade, Zitrusfrüchte, Tomaten) [7]
Lebensmittelzusatzstoffe etc.
- Lebensmittelzusatzstoffe beziehungsweise natürlicherweise in Lebensmitteln vorkommende Lebensmittelinhaltsstoffe, wie Konservierungsmittel (Benzoate – p-Hydroxybenzoesäure, Sorbinsäure, PHB-Ester, Propionsäure, Nitrit, Schwefeldioxid, Metasulfite), Farb- beziehungsweise Azofarbstoffe (Tartrazin, Erythrosin, Patentblau, Amaranth, Indigotin, Cochenille-Rot), Geschmacksverstärker (Glutamat/Glutaminsäure), Süßstoffe (Aspartam – Asparagylphenylalanin-methylester) sowie Aromastoffe, Antioxidantien und Salizylate (Salizylsäure) [7]
- Pestizidrückstände [6]
- Bestandteile von Medikamenten (der Azofarbstoff Tartrazin wird häufig verschiedenen Arzneimitteln, auch Antiallergika, beigefügt) [6]
Literatur
- Biesalski H. K., Fürst P., Kasper H., Kluthe R., Pölert W., Puchstein Ch., Stähelin H., B.
Ernährungsmedizin. Kapitel 34, 468-473
Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1999 - Deutsche Gesellschaft für Ernährung
Ernährungsbericht 1988. S. 151ff.
DGE, Frankfurt/Main, 19883 - Götz M.
Pseudoallergien sind Histaminintoleranzen.
Wien Med Wschr 15/146: 426-430, 1996 - Johansson S.G.O., Hourihane J.O.B., Bousquet J. et al.
A revised nomenclature for allergy.
Allergy 2001; 56: 813-824 - Leitzmann, C., Müller, C., Michel, P., Brehme, U., Hahn, A., Laube, H.
Ernährung in Prävention und Therapie.363 - 365
2005 Hippokrates Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co.KG - Reimann H.-J., Lewin J.
Unverträglichkeitsreaktionen gegenüber Nahrungsmittelzusatzstoffen. S. 121 - 127. In: Reimann H.-J. (Hrsg.). Nahrungsmittelallergie.
Dustri Verlag Dr. Karl Feistle, München-Deisenhofen, 1989 - Thiel C.
Lebensmittelallergien und -intoleranzreaktionen.
Z Ern Wiss 30, 158-173, 1991 - Werfel T., Wedi B., Kleine-Tebbe J., Niggemann B. et al
Vorgehen bei Verdacht auf eine pseudo-allergische Reaktion durch Nahrungsmittelinhaltsstoffe.
Allergo J 1999; 8: 135-141













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