Selektive Photothermolyse

Bei der selektiven Photothermolyse handelt es sich um ein physikalisches Wirkprinzip, das bei der Anwendung einer Lasertherapie zum Tragen kommt und häufig im Bereich der kosmetischen Dermatologie (Lehre der Hauterkrankungen) eingesetzt wird.

Ein Laser wirkt auf folgende Art und Weise auf das Gewebe:

  • Selektive Photothermolyse – selektive Zerstörung einer Zielstruktur durch Wärmeentwicklung ohne Beschädigung der Umgebung
  • Vaporisation/Ablation – Verdampfung und Ablösung des Gewebes
  • unspezifische Koagulation – Verödung von Gewebestrukturen

Ziel der selektiven Photothermolyse ist die gezielte Behandlung von unterschiedlichen Gewebestrukturen meist unter ästhetischen Gesichtspunkten. Hierbei handelt es sich auf Grund der Erreichbarkeit in der Regel um Pigmentstörungen (z. B. Hyperpigmentierung – verstärkte Färbung der Haut) und Gefäßanomalien (Gefäßveränderungen, z. B. Besenreiser) im Bereich der Haut.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Besenreiservarizen – Hiermit sind kleine rötlich-bläuliche Äderchen bzw. Krampfadern, die meist das erste Anzeichen einer Venenerkrankung darstellen, gemeint.
  • blaue Nävi
  • Cafè-au-lait-Flecke – milchkaffeefarbener, umschriebener Fleck in der Epidermis
  • Granuloma teleangiectaticum – pilzförmiges, gestieltes Hämangiom, das auf der Haut sitzt
  • kindliche Hämangiome (Blutschwamm)
  • Laserepilation (Enthaarung per Laser)
  • Lentigines (Leberflecke)
  • Naevus flammeus (Feuermal)
  • Naevus Ota (Mongolenfleck)
  • Spider-Nävi (Naevus araneus) – sternförmige Gefäßneubildung mit zentralem Gefäßknötchen
  • Teleangiektasien – Erweiterung kleiner oberflächlicher Hautgefäße, die bleibend sind
  • Tätowierungen

Vor der Behandlung

Vor Beginn der Behandlung sollte ein Aufklärungs- und Beratungsgespräch zwischen Arzt und Patient erfolgen. Inhalt des Gespräches sollten die Ziele, Erwartungen und die Möglichkeiten der Behandlung sowie Nebenwirkungen und Risiken sein.
Antikoagulantien wie Acetylsalicylsäure (ASS) sollten soweit möglich 14 Tage vor der Behandlung abgesetzt werden.

Das Verfahren

Wie bereits erwähnt, besteht das Ziel der selektiven Photothermolyse in der gezielten thermischen Zerstörung bestimmter Gewebestrukturen ohne Beeinträchtigung des unmittelbar, umgebenden Gewebes. Dieser Effekt wird durch die genaue Abstimmung der Laserparameter mit der Wirkung auf die Zielstruktur erreicht. Der Laser muss folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Wellenlänge – Das Licht des Lasers muss optimal von dem sogenannten Zielchromophor absorbiert (aufgenommen) werden, damit sich genügend Hitze für dessen Zerstörung bildet. Im Falle eines Blutgefäßes handelt es sich bei dem Zielchromophor z. B. um das Hämoglobin (roter Blutfarbstoff). Ziel ist es eine Wellenlänge zu wählen, die ausschließlich vom Hämoglobin und nicht etwa von anderen Chromophoren wie z. B. Wasser oder Melanin (Hautfarbstoff) absorbiert wird und diese zerstört.
  • Energiedichte – Damit die Wärmeentwicklung ausreicht, muss die Energiedichte, d. h. die Intensität der Energie, die auf eine bestimmte Fläche wirkt, an die Größe der Zielstruktur angepasst werden. Je größer diese ist, desto größer muss auch die Energiedichte sein.
  • Impulsdauer – Die Impulsdauer bezeichnet die kurze Zeitspanne in der das Zielgewebe erhitzt wird. Sie ist von besonderer Bedeutung für die Selektivität des Lasers: Die Impulsdauer muss unter der sogenannten thermischen Relaxationszeit liegen. Es handelt sich dabei um die Zeit, die das Zielgewebe benötigt, um die erzeugte Wärme wieder an die Umgebung weiterzuleiten. Nur, wenn die Wärmeleitung auf Grund der kurzen Impulsdauer nicht erfolgen kann, wird das Gewebe selektiv zerstört.

Das Laserlicht kann bei der Behandlung tiefer liegender Strukturen somit die Epidermis (oberste Hautschicht) durchdringen ohne sie zu verletzen. Um der Wärmeentwicklung entgegen zu wirken, muss die Haut allerdings während der Behandlung gekühlt werden. Um Schmerzen zu verhindern kann eine lokale Betäubung erfolgen. Es gibt eine Vielzahl an Lasergeräten bzw. Lichtbehandlungsmethoden, die eine selektive Photothermolyse bewirken können:

  • Blitzlampengepulste Farbstofflaser; FPDL (Wellenlänge: 585 nm; Energiedichte: 10 Joule/cm²; Impulsdauer: 450 μs) – Eine Farbstofflösung wird durch Lichtblitze zur Fluoreszenz (Leuchten durch Reflektion von farbigem Licht) angeregt. Eine bestimmt Wellenlänge des Lichts kann nun verstärkt werden und dann vor allem zur Behandlung von oberflächlichen Gefäßveränderungen eingesetzt werden.
  • Rubinlaser (Wellenlänge: 694 nm; Energiedichte: 4-12 Joule/cm²; Impulsdauer: 20-40 ns) – Der Rubinlaser wird vornehmlich zur Behandlung von melaninhaltigen Zielstrukturen, z. B. zur Zerstörung von Haarfollikel (dauerhafte Haarentfernung/ Laser-Epilation) eingesetzt.
  • Q-switched Nd:Yag-Laser (Wellenlänge: 1064 nm und frequenzverdoppelt bei 532 nm; Energiedichte: 400 mJ; Impulsdauer: Nanosekundenbereich) – Dieser Laser wird sowohl zur Behandlung melaninhaltiger Strukturen als auch zur Entfernung von Tätowierungen benutzt.
  • Alexandritlaser (Wellenlänge: 755 nm; Impulsdauer: Nanosekundenbereich) – Dieser Laser wird ebenfalls zur Entfernung von Tätowierungen und zur Laserepilation eingesetzt.
  • Hochenergetische Blitzlampen (IPL – intensed puls light)

Ihr Nutzen

Die selektive Photothermolyse ermöglicht Ihnen eine effektive und unter ästhetischen Gesichtspunkten wirkungsvolle Methode zur Entfernung störender Hautveränderungen.

Literatur

  1. Landthaler M, Hohenleutner U: Lasertherapie in der Dermatologie: Atlas und Lehrbuch. Springer Verlag 2006
  2. Petres J, Rompel R: Operative Dermatologie: Lehrbuch und Atlas. Springer Verlag 2006

     
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