Intimchirurgie

Die Intimchirurgie  (vaginale Rejuvenation) ist ein weites Gebiet, das sowohl durch funktionelle Indikationen als auch durch ästhetische Beweggründe geprägt ist. Neben den konventionellen gynäkologischen oder urologischen operativen Eingriffen am weiblichen bzw. männlichen Genitale, gibt es eine Reihe von ästhetischen Eingriffen auf dem Gebiet der plastischen Chirurgie. Mit der Veränderung der Einstellung zur individuellen Sexualität, führt eine vorsichtige Enttabuisierung zur stetigen Entwicklung des Bereiches der Intimchirurgie.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Vor allem Frauen leiden oft unter den Veränderungen im Intimbereich. Ursachen für ein unansehnliches Genitale, das zu einer starken Belastung für die Psyche des Patienten führen kann, sind wie folgt:

  • Angeborene große Schamlippen
  • Bindegewebsschwäche
  • Schwangerschaften
  • Alterung mit Erschlaffung des Gewebes
  • krankhafte Veränderungen z. B. nach Tumoroperationen

Die Veränderungen in Intimbereich gehen mit einer ständigen Beeinträchtigung im Alltagsleben einher: Schmerzen bei Tätigkeiten wie Fahrrad fahren oder das Tragen von enger Bekleidung bzw. von Schwimmkleidung ist nicht möglich. Neben dem Alltag ist sehr häufig auch das Sexualleben erheblich beeinträchtigt. Neben Frauen sind auch Männer betroffen, dabei handelt es sich meist um Konflikte bzw. Stigmatisierungen, die durch ein kleines, als unzureichend empfundenes Genitale (z. B. ein zu kleiner Penis) hervorgerufen werden und zur starken psychischen Belastung werden können.

Vor der Operation

Vor der Operation sollte ein intensives Anamnesegespräch durchgeführt werden, dass die Krankengeschichte und die Motivation zu dem Eingriff einschließt. Die Durchführung, eventuelle Nebenwirkungen und die Folgen der Operation sollten ausführlich erörtert werden.
Die Patientin sollte auch darauf hingewiesen werden, dass Männer der Genitalregion deutlich weniger kritisch gegenüberstehen und eigentlich fast jede Vulva erotisch finden.
Beachte: Die Anforderungen der Aufklärung sind strenger als üblich, da Gerichte im Bereich der ästhetischen Chirurgie eine „schonungslose“ Aufklärung fordern.

Des Weiteren sollten Sie vor der Operation für die Dauer von sieben bis zehn Tagen weder Acetylsalicylsäure (ASS) noch Schlafmittel oder Alkohol zu sich nehmen. Sowohl Acetylsalicylsäure als auch andere Schmerzmittel verzögern die Blutgerinnung und können zu unerwünschten Blutungen führen.
Raucher sollten ihren Nikotinkonsum bereits vier Wochen vor dem Eingriff stark einschränken, um die Wundheilung nicht zu gefährden.

Das Verfahren

Im Folgenden wird eine kurze Zusammenfassung unterschiedlicher operativer Eingriffe aus dem Bereich der Intimchirurgie gegeben, um einen Einblick in die Thematik zu gewinnen. Es werden verschiedene Operationen genannt und charakterisiert.

Ästhetische Eingriffe am weiblichen Genitale:

  • Labioplastik (Labiaplastik; Schamlippenkorrektur) – Durch verschiedene Gründe wie z. B. altersbedingt oder durch eine Bindegewebsschwäche kann es zu Veränderungen der Schamlippen kommen. Natürlicherweise bedecken die äußeren Schamlippen die inneren Schamlippen, ragen die inneren Schamlippen über die äußeren oder sind die äußeren Schamlippen erschlafft, erhöht sich das Risiko von Infektionen. Außerdem sind Schmerzen möglich. Diesem Prozess kann mit einer Schamlippenverkleinerung oder einer Schamlippenvergrößerung begegnet werden.
  • Labienreduktion (Schamlippenverkleinerung) – Diese Operation kann unter Lokalanästhesie durchgeführt werden und dient der Korrektur innerer Schamlippen, die vergrößert sind bzw. über die äußeren Schamlippen hinausragen.
  • Augmentation der Labien (Schamlippenvergrößerung) – Durch Implantation von körpereigenem Fett werden meist die äußeren Schamlippen vergrößert, falls diese die inneren Schamlippen nicht überdecken.
  • Liposuktion am Venushügel – Ein sehr ausgeprägter Schamhügel kann durch Fettabsaugung in diesem Bereich korrigiert werden.
  • Korrektur der Klitoris – Bei Vergrößerung der Klitorisvorhaut kann diese verkleinert werden.
  • Vaginalverengung (Scheidenverengung) – Durch verschiedene Prozesse, vor allem aber durch Schwangerschaften, kann die Vagina stark laxiert (gedehnt bzw. überdehnt) sein. Durch Raffung/Readaption/Rekonstruktion der subepithelialen Faszienstrukturen ("Scheidenraffung") kann das sexuelle Empfinden verbessert werden.
  • Hymen-Rekonstruktion – Wiederherstellung des Hymens (Jungfernhäutchen)
  • Rekonstruktive, plastische Eingriffen nach Verletzungen, Tumoren oder anderweitigen Veränderungen

Ästhetische Eingriffe am männlichen Genitale:

  • Zirkumzision – Dieser Begriff bezeichnet die Beschneidung der Vorhaut, die sowohl aus rituellen Gründen als auch aus medizinischen Gründen (z. B. bei einer Phimose – Verengung der Vorhaut) durchgeführt wird.
  • Penisvergrößerung/Penisverlängerung – Hierbei handelt es sich um ein umstrittenes Verfahren, das einen Längengewinn von ca. 2-3 cm erreicht.

Hier nicht aufgeführt sind Operationen zum Zwecke der Geschlechtsumwandlung bei transsexuellen Menschen.

Nach der Operation

Nach der Operation sind Schwellungen, Rötungen und leichte Schmerzen zu erwarten, die nach wenigen Tagen abklingen. Geschlechtsverkehr und sportliche Aktivitäten wie Reiten oder Ähnliches sollten vermieden werden.

Ihr Nutzen

Die Intimchirurgie stellt eine Möglichkeit zur Korrektur psychisch belastender Veränderungen der Geschlechtsorgane dar. Allerdings sollte so einem Eingriff immer eine kritische Auseinandersetzung mit der Notwendigkeit und dem Nutzen vorausgehen.


     
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