Haartransplantation

Bei der Haartransplantation (Synonym: Haarverpflanzung) handelt es sich um therapeutisches Verfahren zur Behandlung einer Alopecia (Haarausfall).

Durch hormonelle Veränderungen oder Stoffwechselstörungen kann es zum teilweise genetisch bedingten Haarausfall kommen, der häufig eine große Belastung für den Betroffenen darstellt. Mit Hilfe des chirurgischen Ersatzes der Haare durch die Eigenhaartransplantation lässt sich jedoch nur eine Wiedereinsetzung von Haarfollikeln realisieren. Somit wird durch die Transplantation keine Neogenese (Neubildung) der Haarfollikel hervorgerufen. Die Nutzung der Haartransplantation zur Verhinderung der Glatzenentstehung oder bei bereits bestehender Glatze ermöglicht es, jedes einzelne Haar in eine neue Position und Richtung zu bringen, sodass die Ergebnisse des therapeutischen Verfahrens als sehr natürlich aussehendend beurteilt werden können. 

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Alopecia androgenetica (Synonym: androgenetische Alopecie; Ursache für den häufig als genetisch bedingt bezeichneten Haarausfall sind Androgene – Dihydrotestosteron, (DHT)) – die Haartransplantation stellt den Goldstandard in der Behandlung der Glatzenbildung bei Männern dar. Auch bei Frauen liegt häufig ein hormonell bedingter Haarausfall vor, der sich mit Hilfe der Haartransplantation behandeln lässt. In der Regel zeichnet sich der hormonell bedingte Haarverlust bei der Frau durch einen Haarausfall im Scheitelbereich oder durch die Ausbildung sogenannter "Geheimratsecken" aus. Im Gegensatz hierzu beginnt die Ausbildung der Glatze beim Mann häufig mit der Ausbildung der "Geheimratsecken", die sich über den hohen Stirnbereich bis zur Vollglatze ausdehnen können. Eine komplette Wiederherstellung bei einer Vollglatze ist jedoch im Normalfall nicht möglich.
  • Narbige Alopecie – der durch die Narbenbildung bedingte Haarausfall lässt sich ebenfalls bis zu einem gewissen Maße mit einer freien Haartransplantation therapieren.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • Vollglatze – beim Vorliegen einer Vollglatze stellt die Haartransplantation ein ungeeignetes Verfahren dar, da kein geeignetes Spendergebiet für die Transplantation vorhanden ist.

Vor der Operation

  • Aufklärung – Vor der Operation sollte ein intensives Anamnesegespräch durchgeführt werden, dass die Krankengeschichte und die Motivation zu dem Eingriff einschließt. Die Durchführung, eventuelle Nebenwirkungen und die Folgen der Operation sollten ausführlich erörtert werden.
    Beachte: Die Anforderungen der Aufklärung sind strenger als üblich, da Gerichte im Bereich der ästhetischen Chirurgie eine „schonungslose“ Aufklärung fordern.
  • Diagnostik – Von entscheidender Bedeutung ist die Beurteilung, ob die Haartransplantation als therapeutisches Verfahren bei der vorliegenden Form der Alopecie angezeigt ist. Die Haartransplantation ist nicht bei allen Formen des Haarausfalles sinnvoll.
  • Absetzen von Antikoagulantien (Gerinnungshemmer) – in Absprache mit dem behandelnden Arzt müssen in der Regel Medikamente wie Marcumar oder Acetylsalicylsäure (ASS) temporär abgesetzt werden, um das Blutungsrisiko bei der Operation zu minimieren. Die Wiedereinnahme der Arzneimittel darf nur unter ärztlicher Anweisung erfolgen.
  • Nikotinkonsum reduzieren – Rauchen ist mit einer verschlechterten Wundheilung assoziiert, sodass das Rauchen vor der Operation eingestellt bzw. reduziert werden sollte.
  • Die Spenderstelle wird rasiert und die Kopfhaut wird örtlich betäubt.

Die Operationsverfahren

Vor dem Transplantieren der Haare muss zunächst eine geeignete Stelle für die Entnahme der Haare gefunden werden. Als optimales Spenderareal dient häufig das okzipitale Haargebiet ("Hinterhauptareal"), da dort die Qualität des Spenderhaars mit der Haarqualität im Empfängergebiet nahezu übereinstimmt.

  • Transplantation von Stanztransplantaten – dieses Verfahren, das auch als Punch-Methode bezeichnet wird, beruht auf der Verpflanzung Transplantaten mit einem Durchmesser von vier Millimetern. In einem Stanztransplantat befinden sich mehr als 12 bis 20 Haare. Der Einsatz der Stanztransplantate ist jedoch als Folge des Durchmessers und der Haarzahl als problematisch zu bewerten. Nach der Transplantation von Stanztransplantaten kann es zu einem stanzenförmiges Aussehen mit störenden Narben, herausragenden oder eingesunkenen Transplantaten kommen. Des Weiteren lässt sich häufig ein abrupter Beginn der Haargrenze in der Frontallinie erkennen, der die Ästhetik der Transplantation stört.
  • Transplantation von Minitransplantaten – in den Minitransplantaten befinden sich bei einem Durchmesser ungefähr zwei Millimetern fünf bis neun Haare pro Transplantat.
  • Transplantation von Mikrotransplantaten – Mikrotransplantate haben einen Durchmesser von ungefähr einem Millimeter und sind mit maximal drei Haaren pro Transplantat bestückt. Dieses Verfahren wird aktuell als Standardverfahren bei der Haartransplantation genutzt. Die Mikrotransplantate können auch als Haarbalgtransplantate erstellt werden. Die Nutzung dieser Haarbalgtransplantate verbessert das Aussehen des Transplantates und stellt außerdem die natürlichen Wachstumseinheiten der Haarbälge dar. Die Anwendung von Mikrotransplantaten ist jedoch hochgradig aufwendig, da bei einer Operation bis zu 3.000 einzelne Transplantate eingesetzt werden müssen.
  • Transplantation von Einzelhaaren (FUE-Technik, Follicular Unit Extraction; Einzelhaar-Methode) – Es erfolgt dabei die einzelne Entnahme der Einheiten zur Haarverpflanzung aus dem Haarkranz (= Spenderbereich). Dauer der Behandlung: mehrere Stunden
    Vorteil der Methode ist, dass keine sichtbaren Narbenstreifen am Hinterkopf bleiben.
  • Transplantation nach der Streifen-Methode (FUT-Technik, Follicular Unit Transplantation) – dazu werden ein bis eineinhalb Zentimeter breite Hautstreifen entnommen und die Wunde wird vernäht. Im Labor werden die Hautstreifen unter dem Mikroskop präpariert, das heißt sie werden in kleine Haarwurzelgrüppchen mit jeweils ein bis vier Haaren geteilt. So können aus 1 cm² Haut ca. 55 bis 90 Einheiten gewonnen werden. Für ein zufriedenstellendes Ergebnis beträgt der Haarbedarf ca. zehn Einheiten pro Quadratzentimeter. Dauer der Behandlung: 6-8 Stunden
    Nachteil der Methode ist eine verbleibende strichförmige Narbe, die überkämmt werden kann. 

Nach der Operation

  • Wundversorgung – der Einsatz eines Wundverbandes ist nicht zwingend notwendig, da die Transplantate durch das Fibrinogen (wichtiger Faktor für die Blutgerinnung) an der korrekten Lokalisation verkleben, trotzdem wird im Regelfall für einen Tag ein Verband angelegt.
  • Nachsorge
  • Ca. 6- 8 Monate dauert es, bis aus den eingesetzten Haarwurzeln die neuen Haare sichtbar werden. 

Mögliche Komplikationen

  • Infektionen – in sehr seltenen Fällen kann es nach der Operation zur Ausbildung von entzündlichen Prozessen kommen. Eine intraoperative oder präoperative Antibiotikatherapie ist auf Grund des geringen Risikos nicht angezeigt.
  • Blutungen – durch eine mechanische Belastung kann es postoperativ zu leichten Blutungen kommen, da das Operationsareal gut durchblutet wird.

Varia

  • Beachte: Qualitätskriterien bei Haartransplantation [6, 7].

Literatur

  1. Halsner U: Der operative Haarersatz: Möglichkeiten und Grenzen. Springer Verlag 2005. pp 309-312. Fortschritte der praktischen Dermatologie und Venerologie.
  2. Hoffmann K, Altmeyer P: Ästhetische und plastische Operationen in der Dermatologie. W3L GmbH 2007  
  3. Nordström R: Plastische Chirurgie – Therapie der Alopecie und Haartransplantation. Springer Verlag 2005
  4. Neidel F: Selbstzahlerleistungen in der Dermatologie und der ästhetischen Medizin. Springer Verlag 2005
  5. Vogt P: Praxis der Plastischen Chirurgie. Springer Verlag 2011
  6. ISHRS (2014) Positionspapier der ISHRS vom 15.11.2014 zu den Qualifikationen für Haartransplantationen. http://​www.​ishrs.​org/​de/​qualifikationen-fur-haartransplantat​ionen. Zugegriffen: 24. Mai 2017
  7. Finner NFA (2015) GÄCD Leitlinien Haartransplantation. http://​www.​gacd.​de/​haartransplantat​ion.​php. Zugegriffen: 26. Oktober 2017

     
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